Naher Osten

Kindersoldaten gegen Israel

Photo: Justin McIntosh, CC BY 2.0

Wenn Kinder in den Kampf geschickt werden

Die Ritualmordlegende, dass Juden gierig nach dem Blut von Kindern wären, die sie zu Pessach schlachten würden, ist fast 1000 Jahre alt und diente Jahrhunderte lang als Vorwand für Pogrome in ganz Europa. Der Stürmer belebte die Legende neu und stellte Juden in unzähligen Karikaturen als Blutsauger dar. Heute fehlt der Ruf „Kindermörder Israel“ auf kaum einer pro-palästinensischen Demonstration. Der Boden ist also gut bestellt, wenn man Israel vorwirft, Kinder in Gefängnisse zu werfen und zu misshandeln. In der Online-Petition des Kampagnen-Netzwerks AVAAZ.ORG„Freiheit für Ahed Tamimi“ schreibt Aheds Vater Bassem Tamimi:

Seit dem Jahr 2000 sind über 12.000 palästinensische Kinder verhaftet worden! Egal wie man zu diesem Konflikt steht: Wir können uns darüber einig sein, dass kein Kind ohne einen fairen Prozess in ein Militärgefängnis gesteckt und Misshandlungen ausgesetzt werden soll.

Dagegen wird niemand etwas einwenden. Die Frage ist: Steckt Israel tatsächlich Kinder ins Gefängnis, und wenn ja, warum? Das Bild, das die Kampagne zeichnet, ist einfach, wirkungsvoll und populär: hier harmlose Kids, die ab und zu ein paar Steine werfen, dort eine schwer bewaffnete Besatzungsmacht, die mit rücksichtsloser Gewalt unschuldige Kinder ohne Prozess ins Gefängnis wirft. Doch wenn man sich mit dem Thema ein wenig beschäftig, entsteht ein ganz anderes Bild.

Harmlose Steinewerfer?

Schon die Vorstellung von vergleichsweise harmlosen Steinewerfern hat mit der Realität nichts zu tun. In Wirklichkeit handelt es sich oft entweder um riesige Brocken, die zu zweit oder mehreren von oben auf Menschen herabgestürzt werden, oder um meterlange Steinschleudern, die aus einem Stein eine tödliche Waffe machen. Immer wieder fordern Steinwurf-Attacken Todesopfer. Diese Angriffe können tödlich sein, wenn sie den Fahrer treffen und Unfälle verursachen oder wenn sie das Opfer am Kopf treffen. Wie die 21-jährige Esther Ohana, die zwei Wochen im Koma lag, bevor sie ihren Verletzungen erlegen ist. Oder wie Yehuda Shoham. Yehuda war gerade einmal fünf Monate alt und saß angeschnallt im Kindersitz, als ein Stein die Windschutzscheibe durchschlug und seinen Schädel zerschmetterte.

Im September 2015 starb der 64-jährige Alexander Levlovitz, als er nach einem Steinwurf-Attentat die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, das daraufhin in den Straßengraben krachte und auf einen Pfosten prallte. Nur einen Tag darauf wurde ein junger Israeli in Jerusalem bei einer ähnlichen Attacke verwundet. Er konnte von Ärzten vor Ort versorgt werden und kam vergleichsweise glimpflich davon.

Vier Jahre davor wurden Asher und Yonatan Palmer bei einem solchen Angriff getötet. Der 24-jährige Maschinenbau-Student war auf dem Weg zu seiner schwangeren Frau, zusammen mit dem gemeinsamen Sohn, als er von zwei Palästinensern mit Steinen angegriffen wurde, und sich daraufhin sein Wagen überschlug. Der kleine Yonatan starb zwei Tage vor seinem ersten Geburtstag. Ein vorbeifahrender Palästinenser, der den Anschlag beobachtet hatte, zog es vor, dem sterbenden Asher noch die Brieftasche zu stehlen, anstatt Hilfe zu holen. 2015 starb die vierjährige Adele Biton an den Spätfolgen eines ähnlichen Attentats im Jahr 2013. Sie hatte sich während der ganzen zwei Jahre bis zu ihrem Tod nicht von ihren Kopfverletzungen erholt.

Dem Historiker Rafael Medoff zufolge sind bei palästinensischen Steinwurf-Attacken mindestens vierzehn Menschenermordet worden, unter ihnen drei Araber, die von den Angreifern fälschlicherweise für Israelis gehalten wurden.

Kinder vor Gericht

Steine sind die Waffen der palästinensischen Kinder. Schon Siebenjährige beteiligen sich an Angriffen auf israelische Zivilisten. Jedes Jahr stehen ungefähr 700 Kinder wegen Steinwurf-Attacken vor israelischen Militärgerichtshöfen. Wobei der Begriff „Kinder“ oft missverständlich ist. Die UN-Kinderrechtskonvention definiert als Kinder alle Menschen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ihr 17-jähriger Sohn mag noch so energisch dagegen protestieren: für die UNO und die Avaaz-Kampagne gilt er als Kind, auch wenn er in diesem Alter schon Autofahren, wählen und heiraten darf.

Wie andere Länder auch hat Israel ein eigenes Jugendstrafrecht, das den jeweiligen Strafrahmen für ein Delikt vom Alter abhängig macht. In Österreich und Deutschland ist man ab 14 Jahren strafmündig, in Großbritannien schon ab 10, ebenso auf Bundesebene in den USA. In Israel beginnt die Strafmündigkeit ab 12 Jahren, das Land folgt damit den Empfehlungen des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes, der empfiehlt, als Mindestalter eine nicht unter dem vollendeten 12. Lebensjahr liegende Altersgrenze festzulegen.

Quelle: UNICEF

Dass für Palästinenser in den „besetzten Gebieten“ ein anderes Rechtssystem gilt als für israelische Staatsbürger, ist eine völkerrechtliche Notwendigkeit, da Israel diese Gebiete nicht annektiert hat. Folgerichtig unterhält Israel seit September 2009 einen eigenen Militärgerichtshof für Jugendliche aus der Westbank. Die Zuständigkeiten sind in der „Military Order 1651“ geregelt. Daraus den Vorwurf zu konstruieren, Israel verhänge ein „Militärregierungssystem mit einem separaten Rechtssystem für Palästinenser“, ist hanebüchen.

Doch die meisten festgenommenen Kinder landen erst gar nicht vor Gericht, sie werden von Sicherheitskräften beim Steinewerfen festgenommen, um die öffentliche Sicherheit wieder herzustellen, und von ihren Eltern in der Polizeistation abgeholt. Dass bei der Festnahme bisweilen Gewalt angewendet wird, ist nicht auszuschließen. Wenn man sich das berühmte Video der Familie Tamimi ansieht, das zeigt, wie Ahed und ihre Verwandten beißen, kratzen und spucken als ihr jüngerer Bruder Mohammed wegen Steinewerfens festgenommen werden soll, fragt man sich, wie irgendjemand in einer solchen Situation ohne jedwede Gewaltanwendung die Ordnung wiederherstellen könnte. Die israelischen Soldaten lassen sich kaum jemals provozieren, lieber brechen sie einen Eingriff ab oder ziehen unverrichteter Dinge von dannen, wie man auch in dem Video sieht, das Ahed Tamimi nun zum Verhängnis geworden ist.

Wer meint, die israelischen Sicherheitskräfte würden unangemessen reagieren, dem sei an dieser Stelle ein Experiment empfohlen: Benehmen Sie sich in einem Land Ihrer Wahl gegenüber irgendeinem Polizisten so, wie Ahed Tamimi in diesem Video. Warten Sie einfach ab, was passiert. Ihre Verwandten können danach ja immer noch eine Avaaz Petition starten.

Kinder an die Front

Palästinenser schicken ihre Kinder nicht nur zum Steinewerfen an die Front. Kinder werden sogar für Selbstmordattentate rekrutiert. Allein in den Jahren von 2000 bis 2003 verübten Unter-18-jährige Palästinenser 29 Selbstmordattentate, mehr als 40 Jugendliche waren an Selbstmordattentaten beteiligt, die vereitelt wurden. 2002 ging das „Baby Bomber Foto“ um die Welt. Das Bild zeigt einen ungefähr 18 Monate alten Jungen, der mit weit aufgerissenen Augen in einem Babyanzug steht. Rote Drähte sind an seine Taille geschnallt, umwickelt von einem vorgetäuschten Sprengstoffgürtel. Um seinen Kopf ist eine rote Bandana der Hamas gebunden.

Kinder dienen nicht nur als Waffen, sondern auch als menschliche Schutzschilde. In diesem Video, das von der IDF während der Operation Cast Lead im Januar 2009 aufgenommen wurde, sieht man, wie ein Hamas-Kämpfer eine Rakete vom Dach eines Hauses abfeuert. Dann ruft er eine Gruppe von Kindern, begleitet von einem Erwachsenen heran, um ihn sicher aus dem Haus zu geleiten. Er weiß, dass Israel nicht auf Kinder schießt.

Was sind das für Eltern, die ihre Kinder in einen aussichtslosen Kampf schicken? Die zulassen, dass sich ihre Gesinnungsgenossen im Kampf hinter ihnen verstecken? Die Verhaftung, Verletzung und Tod ihrer Kinder nicht nur in Kauf nehmen, sondern bewusst provozieren, um sie dann voller Stolz als Märtyrer zu präsentieren? Wie glaubwürdig kann die Aussage eines Kindes über dessen Behandlung in israelischem Gewahrsam sein, das von frühester Jugend an mit Hass auf Israel indoktriniert worden ist? Und wie kann irgendjemand einem Vater wie Bassem Tamimi, der immer wieder seine ganze Sippe in den Kampf schickt, glauben, er würde sich auch nur einen Deut um das Wohl seiner Kinder scheren?

Diese Menschen sind so sehr von Judenhass getrieben, dass sie Kinder für den bewaffneten Kampf missbrauchen. Der Unterschied zu den Kinderarmeen afrikanischer Warlords ist im Wesentlichen nur quantitativ.

Die besondere Perfidie in Tamimis Avaaz-Kampagne liegt darin, dass sie Israel unterstellt, Kinder zu misshandeln, obwohl das Land sogar die Kinder seiner Feinde in seinen Spitälern behandelt, wenn es nötig ist. Selbst die Enkelin eines Hamas-Anführers, der Attentäter als „heldenhafte Märtyrer“ preist, wurde in einer israelischen Kinderklinik geheilt: „Die medizinische Hilfe für Amal ist kein Einzelfall: Vertreter des Schneider-Kinderhospitals erklärten gegenüber israel heute, dass regelmäßig schwer kranke palästinensische Kinder aus dem Gazastreifen in ihrer Klinik behandelt würden. Es gebe gute Kontakte zu den Ärzten in Gaza. Die schicken problematische Fälle, die vor Ort nicht angemessen versorgt werden können, in israelische Krankenhäuser. Zudem bieten viele israelische Kliniken ihren palästinensischen Kollegen die Möglichkeit, Praktika und Fortbildungen zu absolvieren.“

Wer sich um das Wohl palästinensischer Kinder sorgt, sollte nicht eine Kampagne unterstützen, die ausschließlich dazu dient, gegen Israel zu hetzen, sondern mithelfen, Fanatikern wie Bassem Tamimi das Handwerk zu legen, die ihre eigenen Kinder missbrauchen – ob als Krieger, Selbstmordattentäter, Schutzschilde oder zur Propaganda.

Golda Meir kannte die Voraussetzung für den Frieden im Nahen Osten: „Der Terror endet, wenn die Palästinenser ihre Kinder mehr lieben, als sie die Juden hassen.“ Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Der erste Teil über die Avaaz-Kampagne von Bassem Tamimi: Poster-Girl des Terrors

Zuerst erschienen auf mena-watch

 

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