Im Schlaglicht Österreich

FPÖ fail

Christian Jansky, CC BY-SA 3.0

Das Scheitern der Burschenschaften 

Vor ein paar Monaten schrieb ich ein Porträt über HC Strache und nannte ihn einen der am meisten »unterschätzten« Politiker Österreichs. Nach den Ereignissen der letzten Tage muss ich mich korrigieren: Er ist tatsächlich einer der am meisten »überschätzten« Politiker.

Es bleibt seine Leistung, die Partei nach der Katastrophe von Knittelfeld geeinigt und mit Wahlerfolgen mehr als ein Viertel der Wähler erreicht zu haben. Das BZÖ löste sich auf, und die meisten Funktionäre der Haider-Abspaltung wurden übernommen. Doch das Ausscheiden vieler Vertreter und Funktionäre schuf auch ein Vakuum, das ausgeglichen werden musste.

Die Burschenschafter erkannten ihre Chance, und Strache füllte den Abgang der wenigen intelligenten Parteifunktionäre mit Mitgliedern dieser Gruppierungen, die in den Jahren des Aufbaus nach 2005 eine Partei innerhalb der Partei bildeten und ihren Einfluss mehr und mehr ausbauten. Strache ließ es einfach geschehen, er hatte keine andere Wahl, denn die Personalreserve bot keine anderen Möglichkeiten.

Durch den Einfluss der Burschenschaften und ihre Zurückhaltung gegenüber vielen leitenden Funktionären drängte sich ein Verhalten in die Partei, das den Kleinbürgern ein aufgesetztes Selbstbewusstsein überstülpte und sie in dem Bewusstsein zurückließ, einflussreich, mächtig und unangreifbar zu sein. Während die Burschenschafter konsequent an einer Verschiebung der Partei zurück ins rechte Eck arbeiteten und für diese Aktion auch die notwendige Professionalität mitbrachten, war der Rest der Funktionäre dem gefährlichen Intellekt der Burschenschafter nicht gewachsen.

Eine Schere bildete sich zwischen intelligenten, pragmatischen Rechtsaußen innerhalb der Partei und jenen, die wie die Fettaugen auf der Nudelsuppe einfach mitschwammen. Man kann die politische Positionierung der rechten Burschenschafter verurteilen, lehnt man sich zurück und vergisst die Grauslichkeit ihrer Ansichten, muss man respektieren und anerkennen, wie geschickt sie sich in der Partei positionierten und die Kontrolle aus der zweiten Reihe übernahmen.

Auch intelligente Rechte machen Fehler, doch die zeigen sich nicht in der Dummheit wie Strache und Gudenus in dem Video, das machte die beiden auch gefährlich, vor allem für die intellektuellen Rechten in der Partei. Das Scheitern der Partei geht nicht auf den Rechtsruck zurück, das wäre eine einfache, politische Erklärung, sondern auf die Kombination von Naivität und Selbstüberschätzung, die immer tödlich ist. Man kann eben doch nicht in der zweiten Reihe eine politische Strategie formen, wenn man gleichzeitig die Kontrolle über die erste Reihe verliert.

Nun haben Strache und Gudenus gemeinsam das Projekt »Burschenschaften« beendet, und das wird Konsequenzen haben. Die Rechten in der FPÖ werden sich das nicht gefallen lassen und es ist damit zu rechnen, dass die FPÖ bis zur nächsten Wahl sich eher dem Niveau der deutschen AfD nähert, als mehr zur Mitte rückt. Das immer noch erfolgreichste Thema ist Ausländer- und Muslim-Feindlichkeit, und es nicht damit zu rechnen, dass eine Partei, die Gefahr läuft, massiv Wähler zu verlieren, diese griffigen Themen aufgeben wird.

Im Gegensatz zu Knittelfeld hat diesmal nicht der Mittelbau die Führung gestürzt, sondern die Führung hat den Mittelbau betrogen. Eine Organisation, egal ob Partei oder Unternehmen, kann eben nur stabil agieren, wenn sowohl Basis als auch Führung eine gewisse Qualität und Kontinuität zeigen. Der Fehler der Burschenschafter – und man könnte auch froh sein über ihre Fehler – war die Gewissheit, einen leicht lenkbaren Parteichef wirken zu lassen, und darunter auf anderen Ebenen in Ruhe ein Machtsystem aufzubauen. Doch ein identitätsloser, manipulierbarer Leiter einer Organisation lässt sich eben nicht nur durch die eigene Mannschaft lenken, sondern läuft auch Gefahr, anderen Verlockungen zu folgen. 

Die Schwäche Straches wurde von seinen Gegnern genau ausgenutzt wie von seinen Anhängern. Und hier liegt das Versagen des Mittelbaus der Partei, die zwar die einflusslose Führung durch Strache ausgenutzt hatte, ohne das notwendige Kontrollsystem einzurichten, Fehler zu vermeiden.

Die FPÖ scheiterte wieder einmal an ihren eigenen Funktionären, an deren Überheblichkeit und Präpotenz, an dem Größenwahn und der Vermessenheit, ein System einfach zu vergewaltigen, das man nicht erkennt und nicht versteht. Doch das wirklich Erschreckende ist die Arroganz gegenüber den Grundprinzipien der Demokratie.

 

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