Wochenschau vom 13. Mai

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Für Sie notiert

Zur Kritik an der Studie ›zur Evaluierung des islamischen Religionsunterrichts in Österreich‹ von Ednan Aslan

»Der Kurier hat mich um eine Stellungnahme zur Aufregung um die neue Studie von Ednan Aslan gebeten: ›Auch Historiker Heiko Heinisch, der unter anderem an Studien zu Wiener Moscheen gearbeitet hat, kritisiert die vorschnelle Verurteilung: Er verstehe nicht, woher der Druck komme, dass sich gar der Minister so schnell distanziere; damit setze dieser die
Studienautoren unter Druck.‹ Und: »Man hat den Eindruck, dass die MJÖ jede Untersuchung unterbinden möchte, aus Angst, dass negative Ergebnisse herauskommen.‹
Worum geht es? Die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) macht gegen eine Studie der Universität Wien mobil und die meisten Medien springen ihr zur Seite. 
Das Institut von Ednan Aslan arbeitet aktuell an einer Studie »zur Evaluierung des islamischen Religionsunterrichts in Österreich«. Dazu werden Einstellungen muslimischer Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangstufe abgefragt, um eventuelle Einstellungsunterschiede zwischen Schülern, die den Religionsunterricht besuchen und solchen, die ihn nicht besuchen, feststellen zu können. Unmittelbar nachdem die MJÖ von den ersten Befragungen erfahren hat, macht sie gemeinsam mit ZARA eine Presseaussendung, in der sie die Studie als »frisiert«, »islamfeindlich« und »rassistisch« diffamiert. Auf dieser Presseaussendung baut die APA eine Meldung auf, die von den meisten Medien einfach übernommen wird. Kenan Dogan Güngör spricht von »Empörungs-Sofortismus«, was den Sachverhalt meiner Meinung nach sehr gut trifft. Selbst Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) lässt sich durch die Empörungswelle dazu hinreißen, sich von dieser Studie zu distanzieren – ohne den Fragebogen oder das Studiendesign zu kennen. Das ist äußerst bedenklich. Wenn sich Regierungsmitglieder auf empörten Zuruf von Akteuren, die an einer Auseinandersetzung über problematische Tendenzen in manchen muslimischen Communitys nicht interessiert sind, genötigt fühlen, sich von etwas zu distanzieren, dass sie noch gar nicht im Detail kennen können, sind das schlechte Aussichten für weitere Forschungsvorhaben in diesem Feld.«
Heiko Heinisch auf Facebook, 13.5.2023

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Über den Autor / die Autorin

Thomas M. Eppinger

Thomas Eppinger ist davon überzeugt, dass alle Menschen mit unveräußerlichen Rechten geboren sind, zu denen das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören. Daraus ergab sich alles andere, auch diese Website.
Der Publizist ist 1961 in Vöcklabruck geboren, lebt heute in Graz und arbeitet in Wien als Lead Editor bei »Der Pragmaticus«. Davor leitete er den unabhängigen Nahost-Thinktank Mena-Watch.