Antisemitismus

Wie man als Jude unbehelligt in Europa leben kann

Eine Anleitung zum Glücklichsein

Hier ein paar Vorschläge für Juden, wie man sich in der Gesellschaft reibungslos und ohne Konflikte bewegen und ein ruhiges, zufriedenes Leben genießen könnte:

Das Wichtigste: Versuchen Sie, nicht als Jude erkennbar zu sein.

Das beginnt schon bei den Äußerlichkeiten: Keine Kippa, kein großer, schwarzer Hut, keine große, goldene Kette mit David-Stern, keine Pejes und keine Zizit.

Versuchen Sie in Gesellschaft nicht mit jüdischen Witzen zu beeindrucken, aber lachen sie laut und deutlich, wenn andere welche erzählen, und unterbrechen Sie den Erzähler nicht mit der Bemerkung: Den kenn ich schon und außerdem geht er ganz anders.

Wenn die Rede auf Israel kommt, sagen Sie am besten gar nichts, wenn man Sie um Ihre Meinung fragt, sagen Sie einfach, Sie würden sich nicht mit Weltpolitik beschäftigen, es gäbe ja hier im Land genug zu tun.

Fragt man Sie, ob Sie schon einmal in Israel waren, lügen Sie einfach, so lange nicht jemand in der Gruppe ist, der von Ihnen weiß, dass Sie schon dort waren. Eine touristische Auseinandersetzung über Israel stehen Sie nicht durch, dann verraten Sie sich garantiert.

Zeigen Sie sich in der Öffentlichkeit erschüttert über Antisemitismus. Es sieht nicht gut aus, wenn sie es zwar nicht mehr hören wollen, aber dies auch erwähnen, denn Sie riskieren, als Rechter verortet zu werden, der diese Gefahr verharmlost.

Zeigen Sie Verständnis für den Antisemitismus der Flüchtlinge aus arabischen Ländern, oder der Muslime im Allgemeinen. Wenn auf den unterschiedlichen Judenhass zwischen Muslimen und Rechtsextremen verwiesen wird, einfach mit dem Kopf nicken und nichts sagen, immer zustimmen, wer immer etwas sagt und sich heraushalten.

Nicken ist überhaupt eine perfekte Reaktion in jeder Diskussion, Sie können sich nicht versprechen, laufen nicht Gefahr, Falsches zu sagen und man wird mit ihnen zufrieden sein.

Auf die direkte Frage: Sind Sie Jude? Immer antworten: Warum, ist das wichtig? Es könnte zwar sein, dass ein Eingeweihter sofort die Gegenfrage als typisch jüdisches Verhalten erkennt, aber man sollte es dennoch riskieren, denn die Gegenfrage verunsichert den Fragenden, der nicht offen zugeben möchte, dass es ihm wichtig wäre.

Sieht Sie jemand zufällig an den Feiertagen aus der Synagoge kommen, oder werden Sie sogar sogar im Tempel gesehen von jemandem, der dort unter dem Motto »Juden-Schauen« einem Gottesdienst beiwohnt, reagieren Sie als interessierter Tourist, der immer schon einmal eine Synagoge besuchen wollte.

Schwierig wird es bei Gesprächen und noch schwieriger bei Streit, da Nicht-Juden meist rhetorisch den Juden unterlegen sind, die oft in dreidimensionaler Argumentation den Gegner verwirren und für sie eine »Un-Logik« kein Grund ist, ein Argument nicht gelten zu lassen. 

Reagiert also ihr Gegner auf ein Argument von Ihnen mit dem Vorwurf, das sei »unlogisch« und es kommt Ihnen völlig normal vor, dann verstehen Sie das als Warnung, dass Sie kurz davorstehen, entdeckt zu werden.

Ganz besonders gefährlich: Ihr Verhalten in der Öffentlichkeit. Wenn Sie sich in einer Gruppe bewegen, können Sie nicht automatisch nach »links« gehen, wenn eine große Tafel warnt, man dürfe nur nach »rechts« gehen. Das Ignorieren jeder Vorschrift ist besonders verdächtig.

Hinweistafeln zu missachten bis zum automatischen Reflex, genau das Gegenteil zu tun, verrät Sie, vor allem dann, wenn Sie auf die Kritik der Nicht-Juden, das sei hier nicht gestattet, antworten: Na und?

Halten Sie sich zurück mit dem Stolz auf Ihre Kinder. Nur andere Juden verstehen, dass Ihre Kinder Genies sind und akzeptieren Ihre bewundernden Beschreibungen.

Erwähnen Sie nicht in Gesellschaft, dass Sie Ihre Mutter anrufen. In einem Restaurant, wo man sich mit Freunden trifft, vom Tisch aufzustehen und zu verkünden, man müsse kurz hinausgehen, die Mutter anzurufen, ist verdächtig. Ebenso die Annahme eines Anrufs, im Kino zum Beispiel, wo man mit einem nicht-jüdischen »Date« sitzt und dennoch den Anruf annimmt mit dem Hinweis, er sei von der Mutter.

Vorsicht beim Summen und Pfeifen, wenn man unkontrolliert eine Melodie von »Tevje, der Milchmann«, leicht den Kopf bewegend im Rhythmus vor sich hin singt. Ebenso ist das Mitsingen der israelischen Hymne bei Sportveranstaltungen zu vermeiden.

Besonders gefährlich sind allerdings andere Juden, wenn Sie Ihre Anonymität in einer Gruppe oder Gesellschaft bewahren wollen. Falls ein anderer Jude, eine Jüdin zu der Gruppe stößt, – ob er/sie sich als solche/r zu erkennen gibt, oder wie Sie versucht, es verborgen zu halten – er/sie wird Ihre Nähe suchen und nicht von Ihrer Seite weichen. All die Verhaltensweisen von Punkt 1 bis 17 werden Ihnen nicht helfen, es wird nur wenige Augenblicke dauern, bis Sie von anderen Juden entlarvt werden. Dem vorzubeugen könnte helfen: Sich sofort zu »outen« und gemeinsam beschließen, wie man sich weiter versteckt. Was allerdings ziemlich sicher scheitern wird, denn zwei Juden in einer Gruppe mit dem typischen Verhalten untereinander, kann nur zum Verrat führen. Die beiden sind von dem Zeitpunkt an verloren, an dem Sie sich zum ersten Mal gesehen und gehört haben und dann gemeinsam versuchen, ihre Identität zu verbergen.

 

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