Im Schlaglicht Österreich

Solange die Linke Wähler für dumm verkauft, verliert sie

Verblödet die Linke?

Etwas über ein Jahr ist die Koalition zwischen ÖVP und FPÖ nun in der Regierung. Eine Zusammenarbeit zweier Parteien, die es schon einmal gab, jedoch damals an den internen Problemen der FPÖ scheiterte. Diesmal zeigt sich die FPÖ stabil und arbeitsfähig und wird dementsprechend von der Bevölkerung gemeinsam mit der ÖVP mehrheitlich unterstützt. Die Tatsache, dass beide Partner ihre Stimmenanteile seit Beginn der Regierung halten konnten, zeigt eine Arbeits- und auch eine Konfliktfähigkeit, die der Wähler offensichtlich schätzt.

Keine leichte Situation für die Opposition, egal ob mit grünem, rotem oder liberalem Etikett. Sie alle stoßen an eine Wand, die zumindest derzeit unüberwindbar scheint. Liegt es an der genialen Selbst-Vermarktung der Regierung, an den Entscheidungen der Minister, dem Duett Kurz-Strache – oder – an der Hilflosigkeit der Opposition?

Die Linke konnte in der Vergangenheit für sich in Anspruch nehmen, die besseren Köpfe zu haben. Rechts der Mitte gab es kaum Intellektuelle, fast keine Künstler, und immer wieder nach Wahlen wurden Statistiken präsentiert, die zeigten, dass ein höherer Bildungsgrad mit einem Wahlverhalten verbunden sei, das eher einer Partei links der Mitte den Vorzug gibt.

Das alles scheint Geschichte zu sein, Vergangenheit und reif für die Bibliotheken. Ein kurzer Blick quer durch die Aktivitäten der Linken gegen die Kurz-Strache Koalition lässt jemanden wie mich, der noch mit großem Interesse den linken Agitatoren der sechziger Jahre zuhörte (um sich dann allerdings von ihnen abzuwenden) und zumindest von deren rhetorisch-intellektuellen Brillanz beeindruckt war, und der die Reden und Theorien der Vertreter der »Frankfurt Schule« verschlungen hatte, auf die heutigen Theoretiker der Linken nur noch mit Kopfschütteln und Gähnen reagieren.

Als hätte die linken Denker ein Erdbeben verschüttet, wurden sie mit Halb-Gebildeten ersetzt, die sich auf einem Niveau und in einer Sprache zu Wort melden, die einfach nur erschreckt. Dennoch erleben sie ihre Banalität und Naivität als Erfolg, werden gefeiert und herumgereicht, immer wieder eingeladen und stehend beklatscht, als hätten sie ihre Zuhörer mit einer genialen Idee, einer beinharten Abrechnung oder tiefgründigen Analyse überrascht.

Eine ganze Heerschar von Schriftstellern, Sängern und anderen Künstlern meldet sich immer wieder mit Formulierungen, die vom Aufbau und Inhalt her problemlos von einem Elfjährigen als Referat in der ersten Klasse Gymnasiums im Deutschunterricht gehalten werden könnten, doch selbst dann müsste dieser mit der Kritik des Deutschprofessors rechnen. Der gedankliche Aufbau dieser Wortmeldungen ist immer der gleiche. Um einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Plänen und Entscheidungen der Regierung auszuweichen, flüchtet man sich auf eine moralische Ebene, die als persönliche Empfindung präsentiert wird und daher nicht diskussionsfähig ist. Man »fühlt« sich eben so. Was soll man dagegen schon sagen können.

Am liebsten reden linke Kritiker heute über ihren seelischen Zustand. Man habe einfach Angst, es würden sich längst vergangene Zeiten wiederholen, Freiheit und Demokratie seien in Gefahr, und es erinnere alles an »damals« – sind einige der Lieblingsformulierungen, die in den verschiedensten Variationen immer wieder auftauchen.

Manche versuchen es mit Widerstand. Man werde einen neuen Faschismus nicht zulassen, die Menschen würden mehr und mehr erkennen, dass in Österreich eine autoritäre Regierungsform die Macht übernommen habe. Ökonomische und politische Machtverhältnisse werden in den Reden auf simple Formeln reduziert. Die Schwachen und Armen würden noch schwächer und ärmer werden, und die bereits Reichen und Starken jeweils noch stärker und reicher, das würden die Menschen sich nicht gefallen lassen, oder wie es einer der Schriftsteller formulierte: Man solle doch die Menschen nicht für dumm verkaufen.

Einige Wörter kommen in einer Regelmäßigkeit vor, dass man erstaunt ist, dass es noch keine Wetten gibt, wann und wie oft sie wiederholt werden. Menschenunwürdig, unmenschlich, diskriminierend, menschenverachtend, menschenfeindlich, um ein paar zu nennen, doch es sind nicht viele mehr, er drängt sich zusammen, dieser Wortschatz, und wird in einem Rhythmus dargeboten, als würden sie gemeinsam ein Lied singen.

Absoluter Hit innerhalb dieser geistigen Schublade ist der Vergleich mit und der Hinweis auf die Nazi-Zeit. Es gibt praktisch keine kritische Rede, kein kritisches Lied, keinen Essay oder Kommentar gegen diese Regierung, in der nicht entweder das Wort »Nazi« direkt vorkommt, oder mit Bezeichnungen wie bräunlich, braun, usw. so treffsicher angedeutet wird, dass es sogar der oben erwähnte Elfjährige verstehen könnte. 

Es sind vor allem diese Banalitäten mit historischen Vergleichen, die am meisten verwundern und die Zweifel nährt, ob die Linke langsam den Verstand verliert, oder von Repräsentanten und Sympathisanten vertreten wird, die nicht unbedingt der angeblichen Bildung ihrer Wählerschaft entspricht.

Neben den rassisch Verfolgten waren es vor allem Kommunisten, linke Sozialdemokraten und Sozialisten, die unter der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gelitten hatten. Die Frage muss erlaubt sein, warum ausgerechnet die »Neue Linke« durch diese Vergleiche nicht nur historische Tatsachen verleugnet und falsch interpretiert, sondern mittels Geschichtsfälschung die eigenen Genossen beleidigt, von denen viele die Konzentrationslager oder die Gefangenschaft nicht überlebt haben.

Die Omas und Opas der »Omas gegen Rechts«, die mit Plakaten gegen »Nazis« marschieren, haben wahrscheinlich nicht ein Konzentrationslager überlebt, um ihren Enkeln – den heutigen Omas – zu erklären, was ein Nationalsozialist war. Schriftsteller wie Turrini, Menasse und Köhlmeier, Sänger wie Ambros und Fendrich, die alle über Ähnlichkeiten der jetzigen Regierung mit dem Nationalsozialisten sprechen, sind offensichtlich mit Verharmlosungen dieser historischen Epoche aufgewachsen. Anders ist nicht erklärbar, warum ihnen derartig fehlerhafte Vergleiche einfallen.

Die Assoziation in den deutschen Medien mit der Nazi-Zeit oder entsprechende Wortmeldungen deutscher Politiker haben allerdings andere Gründe. Die Deutschen werden auch in der dritten Generation nach dem Holocaust nicht mit der »Einmaligkeit« dieses Verbrechens fertig und versuchen zu relativieren, wo und wann es nur möglich ist.

Das kann die Österreicher treffen, die nach Meinung der Deutschen oft als die schlimmeren Nazis bezeichnet werden – was immer das bedeuten soll –, kann aber auch Israel treffen in seinem Umgang mit den Palästinensern oder ihren Lieblings-Feind, den US-Präsidenten Trump.

Der politische Wettstreit zwischen links und rechts erstickt derzeit in einem simplifizierten Hick-Hack, der vor allem durch das infantile Verhalten der Linken dominiert wird. Warnungen mit falschen historischen Vergleichen erschrecken niemanden, da sie unglaubwürdig und politisch falsch sind, und sich die Kritiker nur damit lächerlich machen. Die Linke wird so lange Wahlen verlieren, so lange sie tatsächlich »die Menschen für dumm verkauft« und in einer Pose aufgesetzter Angst versucht, den Menschen Angst zu machen vor der Wiederkehr einer historischen Epoche, die sie anscheinend nie verstanden hat.

 

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