Feuilleton

Rosenkavalier in New York

Rosenkavalier Metropolitan Opera

Réka Echerer: Eine Österreicherin setzt sich durch

Die Mutter kennt man, also würde man annehmen, die Tochter, die sich für Theater und Tanz interessiert, versucht ihre Karriere dort, wo die Mutter berühmt und bekannt ist. Doch Réka Echerer, Tochter von Mercedes Echerer, einer der bekanntesten Schauspielerinnen und Regisseurinnen in Österreich, versuchte einen anderen Weg und verzichtete auf den familiären Türöffner.

1994 in Wien geboren, wollte Réka Echerer schon als Sechsjährige mit dem Tanzunterricht beginnen, doch die Mama schien sich nicht so sicher zu sein, ob die Tochter das auch wirklich ernst nehmen würde und versprach ihr, wenn sie in einem Jahr immer noch diesen Wunsch hätte, dürfe sie mit dem Tanzunterricht beginnen. Ein Jahr später, Mercedes Echerer lebte in Strasbourg als EU-Abgeordnete der Grünen, wiederholte die Tochter ihren Wunsch, appellierte an das Versprechen der Mutter und nahm ihre erste Tanzstunde in einer französischen Ballettschule.

Nach dem Parlamentsabenteuer übersiedelte die Familie zurück nach Wien, und Réka setzte ihre Ausbildung an der Wiener Staatsoper Ballettschule fort. Alles schien wie geplant abzulaufen, die Wiener Karriere einer Künstlerfamilie, mehr oder weniger vorhersehbar, wenn sich da nicht sehr früh schon der Wunsch durchgesetzt hätte, Österreich zu verlassen und in den USA die Fortbildung fortzusetzen. Mit nur fünfzehn Jahren verließ Réka Wien und wurde auf der ›Virginia School of the Arts‹ aufgenommen. 

Diese Art-School kooperiert mit einer High-School, sodass bereits Schüler und Schülerinnen im Gymnasium-Alter ihre schulische Ausbildung mit einer künstlerischen kombinieren können. Vormittags wird der normale Unterricht angeboten, mit den üblichen Fächern von Geographie bis Mathematik. Am frühen Nachmittag übersiedeln die Schüler und Schülerinnen in die Art-School, wo Ballett und Tanz unterrichtet wird. Réka Echerer schloss die Schule mit dem High-School Diplom ab und verbrachte die Jahre bis zum erfolgreichen Abschluss alleine in einem Internat, fern von Wien und den Eltern.

Die Kombination von High-School und künstlerischer Ausbildung öffnete ihr die Türen zum ›Purchase College‹, einer bekannten Universität in New York, wo sie das ›Conservatory of Dance‹ besuchte und eine Ausbildung in klassischem Ballett modernem Tanz absolvierte. Im Mai 2015 schloss sie das Studium mit dem ›Bachelor of Art‹ ab. Als die Universität den Studenten und Studentinnen die Möglichkeit bot, ein Semester im Ausland zu verbringen, meldete sie sich für die ›Taipei National University of the Arts‹ in Taiwan, wo sie auch in zwei Produktionen auftrat, einmal als Solistin und bei einer zweiten Produktion im Ensemble.

Nach dem Abschluss des Studiums beschloss Réka Echerer in New York zu bleiben und hier eine Karriere als Tänzerin zu versuchen, in der wohl schwierigsten Stadt für Künstler mit einer enormen Konkurrenz und einem extrem hohen Niveau. Nicht nur aus allen Teilen der Vereinigten Staaten kommen junge Talente nach New York, sondern als Metropole der verschiedensten Formen der ›Performing Art‹ hat New York immer noch eine enorme Anziehungskraft für Künstler aus aller Welt in den verschiedensten Bereichen. 

Nach ihrem College-Abschluss arbeitete Réka Echerer in New York in zahlreichen Produktionen sowohl als Solistin als auch im Ensemble verschiedener Theater. Unter ihnen das ›New York Life Arts‹, ›New York City Center‹, ›92nd Street Y‹, das ›Baryshnikov Art Center‹ und das ›Joyce Theatre‹ in Chelsea, eines der wichtigsten Theater in New York für Tanz- und Ballett-Produktionen. Der Durchbruch auf die große Bühne gelang ihr 2017 mit einem Engagement für den Rosenkavalier an der Metropolitan Opera. Im gleichen Jahr auch noch für eine Produktion von Figaros Hochzeit und 2018 für Carmen, auch diese Aufführungen an der Metropolitan Opera New York.

Heuer ist sie in zwei Produktionen der Metropolitan Opera mit einer absoluten Star-Besetzung zu sehen. Der Rosenkavalier von Richard Strauss mit dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal zeigt Wien in der wichtigen historischen Epoche der Stadt kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs und ist weltweit eine der meist gespielten Opern. Die Aufführungen in der Metropolitan Opera im Dezember vor und nach Weihnachten und am 1. Jänner verleihen den Rosenkavalier-Ausführungen eine Art Feiertags-Atmosphäre, und dementsprechend eindrucksvoll ist auch die Besetzung. 

Als Dirigent konnte Simon Rattle gewonnen werden, der bis 2018 Direktor der Berliner Philharmoniker war und derzeit die Londoner Symphoniker leitet. Unter der Regie von Robert Carsen ist mit Camilla Nylund, Katie Van Kooten, Magdalena Kožená, Günther Groissböck als ›Baron Ochs‹ und Golda Schultz die Produktion des Rosenkavaliers mit einigen der besten Sänger und Sängerinnen besetzt. Réka Echerer wird für die Tanzszenen im Rosenkavalier in ein alt-österreichisches Kostüm schlüpfen.

Réka Echerer teilt auf der Upper West Side in New York ein kleines Apartment mit einer Kollegin und verbringt die wenige Freizeit, die nach Proben und Aufführungen bleibt, am liebsten in den Übungsräumen der Metropolitan Opera. Sie sei glücklich, dass es diese Möglichkeit gäbe, denn sonst müsste sie wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen in privaten Studios Miete zahlen, um zu üben und fit zu bleiben. Wenn es einmal Tage gibt, an denen sie ausspannen kann, setzt sie sich in den Zug und fährt aus der Stadt in Richtung Norden, dort wo die Umgebung von New York mit Bergen und dichten Wäldern eher dem Wienerwald gleicht.

Nächstes Jahr stehen Produktionen des ›New York Theatre Workshop‹ auf ihrem Programm, einer Off-Off-Broadway Bühne, wo viele große Hits, die später jahrelang erfolgreich am Broadway aufgeführt und mit Dutzenden Preisen ausgezeichnet wurden, ihre ersten Aufführungen hatten. Réka Echerer hat sich als Tänzerin auf dem beinharten Pflaster der New Yorker Kunstszene durchgesetzt. Das ist nur wenigen Österreichern und Österreicherinnen bisher gelungen.

 

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