Deutschland

Der 7. Mai 1945

General Jodl bei der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation, Wikimedia Commons

Ein Schauspieler verfasste Deutschlands Kapitulationsurkunde

Am Tag vor der dokumentierten Niederlage Deutschlands, am 6. Mai 1945, bekam Generaloberst Alfred Josef Ferdinand Jodl, der bei seiner Geburt 1899 noch Alfred Josef Baumgärtner hieß, Chef des Wehrmachtsführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht, von Großadmiral Karl Dönitz das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.  

Am 7. Mai 1945 unterschrieb Jodl im Hauptquartier der westlichen Alliierten in Reims die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Der Zweite Weltkrieg und das NS-Regime waren zu Ende.

Was General Jodl nicht wusste und auch keiner der Anwesenden bei der Unterzeichnung der Kapitulation – da es der höchsten Geheimhaltung unterlag –, waren die Umstände, auf welche Art und Weise und durch wen das historische Dokument vorbereitet und geschrieben wurde. 

Der am 24. April 1905 in England geborene John William Counsell wollte immer Schauspieler werden. Er versuchte es auf kleineren Bühnen, bis er 1933 sein Talent als Theater-Direktor entdeckte und das Theatre Royal in Windsor übernahm. Wenige Monate später ging ihm allerdings das Geld aus, und er wollte das Theater schließen, wenn da nicht durch Zufall der spätere King George VI und Queen Elisabeth II eine der letzten Vorstellungen besuchte und das Theater in der Folge bekannt machte. 

1938 eröffnete er das renovierte Theater und leitete es gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Mary Kerridge, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1986. Ein Jahr später starb er. In den sechziger Jahren veröffentlichte er seine Memoiren und erwähnte ein Ereignis, das nicht bekannt war, und nach der Publikation des Buches niemand ernst nehmen wollte, bis es die Britische Armee bestätigte.

William Counsell meldete sich 1940 zur Armee und schaffte es sehr schnell aufgrund seines schriftstellerischen Talents, als Redenschreiber der britischen Armeeführung übernommen zu werden und später als Ghostwriter von General Eisenhower. Ohne einen einflussreichen, militärischen Rang zu haben, wirkte er dennoch im Hauptquartier der Alliierten an der Seite der Generäle. 

In zwei Stunden Geschichte schreiben

In den letzten, chaotischen Tagen des Krieges konnte keine langfristig geplante Kapitulations-Zeremonie der Deutschen vorbereitet werden. Die US- und Britische Militärführung drängten jedoch, die Deutsche Heeresführung zur Aufgabe zu zwingen, da es unterschiedliche Meinungen unter den deutschen Offizieren gab, wie lange der Verteidigungskampf noch fortgesetzt werden sollte, und so holte der US-General Harold R. Bull eines Tages den Schauspieler William Counsell zu sich ins Büro – es war der 6. Mai 1945 – und beauftragte ihn, ein Dokument für die Kapitulation der Deutschen Armee vorzubereiten. Den Einwand Counsells, dass er keine Erfahrung auf diesem Gebiet habe, ignorierte der General, und auf die Frage, wie lange er dafür Zeit habe, bekam Counsell die Antwort: »Zwei Stunden!«

Laut Berichten seiner Töchter, die in einer BBC-Dokumentation darüber erzählten, suchte Counsell verzweifelt in den Unterlagen der Armeeführung, um irgendeine Friedenserklärung oder Kapitulation zu finden, doch es war angeblich aussichtslos. Die Armeeführung der Alliierten war auf eine bedingungslose Kapitulation der Deutschen nicht vorbereitet. Also schrieb er selbst einen Entwurf für das endgültige Dokument, das die Sekretärin von General Bull abtippte.

Nach 90 Minuten, also noch vor den vereinbarten zwei Stunden, brachte William Counsell die Kapitulations-Urkunde General Bull, der sie, ohne sie zu korrigieren oder zu verändern, am nächsten Tag, den 7. Mai 1945, den deutschen Generälen vorlegte. Jodl unterzeichnete.

 

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