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Muttersöhnchen

Photo: Karl-Ludwig Poggemann, CC BY 2.0

Die Erziehung zu Versagern in muslimischen Familien

Nancy Kobrin, eine Psychoanalytikerin, die Polizeieinheiten in den USA trainiert, beschrieb schon 2010 in ihrem Buch The Banality of Suicide Bombers, dass theologische und ökonomische Erklärungsversuche über Gründe und Ursachen des Verhaltens von islamischen Terroristen und Selbstmordattentätern keine Erklärungen bieten. Interpretationen religiöser Schriften in Bezug auf Dschihad seien willkürlich und gäben keinen eindeutigen Hinweis. Ebenso sei die ökonomische Begründung nicht zielführend, da die meisten Attentäter aus finanziell abgesicherten Familien kämen und einen Schulabschluss hätten.

Sie sieht das Problem in der ‚muslemischen Mutter’, die ihre Söhne nie erwachsen werden lässt. Der islamische Selbstmord-Terrorismus sei die Fortsetzung der häuslichen Gewalt, die allerdings von den Frauen ausginge und eine Verlängerung der gestörten Mutter-Sohn-Beziehung sei.

Ähnlich argumentiert Zana Ramadani, die als 7-Jährige ohne Deutsch-Kenntnisse als Tochter einer muslimischen Familie nach Deutschland kam und später ein Studium in Soziologie und Politikwissenschaft abschloss. In ihrem Bestseller Die verschleierte Gefahr behauptet sie, muslimische Mütter würden ihre Söhne zu Versagern erziehen. Sie würden wie kleine Prinzen behandelt werden. Verhätschelt, verwöhnt, von Frauen und Mädchen in den Familien bedient, wachsen sie ohne Verantwortung, jedoch mit einem falschen Selbstbewusstsein auf.

Mitarbeit im Haushalt gäbe es nicht, das müssten die Töchter erledigen. Sechs- und sieben-Jährige fordern ihre Schwestern auf, ihnen Getränke und Essen zu servieren. Mädchen werden mehr von ihren Müttern als von den Vätern angehalten, den Forderungen der Söhne Folge zu leisten. Bei Mahlzeiten bekommen die Söhne das Essen vor den Töchtern, meist auch noch bevor die Mutter sich bedienen darf. Im Auto sitzen die kleinen Prinzen vorne neben den Vätern, während Mutter und Schwestern immer hinten sitzen. In der Prügelhierarchie schlagen die Mütter die Töchter und die Väter die Mütter.

Probleme würden nicht offen untereinander diskutiert werden, das ewige ‚Herumgerede’ über alles und nichts in westlichen Familien sehen sie als Schwäche. Zana Ramadani nennt die Jugendlichen in muslemischen Familien ‚Kommunikationskrüppel’. Es gehe in der strengen Ordnung weder nach Argument noch nach rhetorischem Geschick.

Scheitern in der Leistungsgesellschaft

Ein späteres Scheitern in der modernen, westlichen Konkurrenzgesellschaft sei damit vorprogrammiert, da keinerlei Leistung in der Familie gefordert werde. Selbst wenn sie in der Schule versagen, sind meist die weiblichen ‚westlichen’ Lehrkräfte Schuld, diese ‚ungläubigen Schlampen’, die kein Recht hätten, ihre Söhne zu kritisieren. Oder überhaupt der Westen, der von Rassisten regiert werde. Den Buben werden nie Vorwürfe gemacht, Schuld haben immer die anderen. Eine aktive Rolle der Eltern, ihre Söhne zu Eigenverantwortung und Pflichtbewusstsein zu erziehen, existiere nicht.

Muslimische Frauen, die meist früh heiraten und sehr jung Mütter werden, würden den Druck auf ihre Töchter weitergeben, während der männliche Nachwuchs unter paradiesischen Zuständen aufwächst. Söhne können Drogen verkaufen, (nicht-muslimische) Frauen vergewaltigen, sich betrinken und gewalttätig sein, das sei kein Problem für die Eltern.

Dies alles schade nicht der Familienehre, solange die Jungfräulichkeit der Töchter erhalten bleibe. Nur das ‚falsche’ Verhalten der Töchter bedeute eine Gefahr für die Ehre der Familie. Darauf reagieren Mütter, Väter und auch Brüder gemeinsam mit Aggression und Gewalt gegen die Töchter. Ehrenmorde gibt es in Familien, wenn Töchter sich weigern, die Bekleidungsregeln zu respektieren, einen Ungläubigen als Freund wählen, sich außerhalb der Religion vermählen wollen oder auch nur der Verdacht aufkommt, dass sie vor der Hochzeit sexuellen Verkehr hätten. Kriminelle Söhne wie Vergewaltiger, Mörder und Diebe stellen keine Gefahr für die Ehre einer moslemischen Familie dar. Sie bleiben ewig die Helden ihrer Mütter, auch dann, wenn sie als Attentäter für den Tod Dutzender Unschuldiger verantwortlich sind.

Abkürzung ins Paradies

Eine besonders krasse Form der ‚Mutterliebe’ in muslimischen Familien zeigte eine Dokumentation im ARD (02.08.2010 – Die Frauen der Hamas) über palästinensische Frauen. Der Film wurde übrigens nur einmal ausgestrahlt und verschwand aus der ARD-Mediathek. Nur auf YouTube kann man ihn noch finden.

In der Dokumentation kommen Frauen zu Wort, die in organisierter Form versuchen, andere Mütter zu überzeugen, ihre Söhne zu Märtyrern zu erziehen. Eine der Mütter, die schon einen ihrer Söhne ‚geopfert’ hatte, beschrieb das mit folgenden Worten:

Ein Märtyrer hat einen völlig anderen Rang vor Gott. Schon beim ersten Spritzer Blut vergibt ihm Gott alle Fehler. Er spürt auch keinen Schmerz und sichert sich so seinen Platz im Paradies. Und dort sehen wir uns alle wieder!

Als größtes Unglück erleben diese Frauen den Tod ihrer Söhne, wenn sie bei einem Angriff getötet werden, bevor sie ‚Nicht-Gläubige’ ermorden konnten. Eine der Mütter kündigte an, sie werde versuchen so lange wie möglich jedes Jahr einen Sohn zu gebären, denn es sei ihre heilige Pflicht, Märtyrer in den Kampf zu schicken.

Für gläubige Muslime sei das Leben vor dem Tod ohnehin nicht so wichtig und nur die Vorbereitung für das Paradies, wo Essen, Sex und andere Vergnügen in unbeschränktem Masse angeboten würden. Der Tod als Märtyrer kann von jungen Männern als eine Abkürzung in Gottes Welt verstanden werden – ohne die jahrelangen Mühen des Alltags. In jeder anderen Religion wäre das Paradies sonst die Belohnung für ein langes, hartes Leben, in dem der Mann verantwortungsbewusst seine Familie ernährt, Kinder großzieht und auch eine gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

Unvorbereitet für den Weg in der Leistungsgesellschaft, in der nicht nur Erfolg, sondern auch Scheitern und Versagen zum Alltag gehören, wird den Muttersöhnchen, die nichts mehr fürchten als ‚mutterlos’ in die Konkurrenzgesellschaft verstoßen zu werden, von Hasspredigern und Fanatikern ein ‚konkurrenzlos kurzer’ Weg ins Paradies angeboten. Nichts macht vielen jungen muslimischen Männern mehr Angst, als sich in einer westlichen Gesellschaft, in der es nach Bildung, Intelligenz und Durchsetzungskraft geht, bestätigen zu müssen.

Flucht der jungen Männer

Viele Psychoanalytiker sehen auch einen Zusammenhang zwischen der ‚Söhnchen-Kultur’ in islamischen Familien und einem Phänomen der modernen Flüchtlingsproblematik, die derzeit Europa beschäftigt. Etwa 70-80% aller Flüchtlinge und Asylsuchende sind Männer zwischen 16 und 35. Die tagtäglichen Bilder von Verzweifelten in Booten von N-Afrika nach Europa oder auf dem Landweg über den Balkan zeigen fast keine Kinder, Frauen oder ältere Menschen. Über die Gründe gibt es die verschiedensten Theorien neben der innerfamiliären Situation in den muslimischen Familien und die Rolle der jungen Männer. Es lohnen sich jedoch historische Vergleiche:

Vietnam, Deutschland und Russland

Noch bevor im Mai 1979 der Vietkong zum Sturm auf Saigon aufrief, kam es in Vietnam zu einer der größten Fluchtbewegungen in der Geschichte des Landes. Fast 2 Millionen Menschen versuchten zwischen 1975 und 1979 das Land über den Seeweg zu verlassen und Tausende ertranken bei den Fluchtversuchen. Auf den kleinen Booten, den Stürmen des offenen Meeres oft nicht gewachsenen, saßen vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die Männer blieben zurück und kämpften gegen den Vietkong, verschwanden nach der Niederlage in sogenannten ‚Umerziehungslagern’ oder wurden als Soldaten getötet. Trotz der Gefahr durch die kommunistischen Truppen wäre es keinem der Männer eingefallen, selbst auf den Booten zu flüchten und ihre Familien und Eltern zurückzulassen.

Die Flucht der Deutschen, die das Nazi-Regime unterstützen, aus den sogenannten ‚Deutschen Ostgebieten’ vor der Roten Armee wurde von den Sudetendeutschen und ihren Vertretern oft genug propagandistisch missbraucht. Die ‚Helden’ dieser Fluchtbewegung waren Frauen, Mütter mit ihren Kindern und ältere Menschen, die unter katastrophalen Zuständen versuchten, sich nach Westen zu retten und nicht etwa die wehrfähigen Männer, die ihre Familien zurückließen.

Nach den blutigen Pogromen gegen die Jüdische Bevölkerung in Russland im 19. Jahrhundert versuchten Hunderttausende von ihnen in die USA auszuwandern. Vielen Familien wurde die Bewilligung nur dann erteilt, wenn einer der Söhne sich freiwillig zum Militär meldete, oder die jungen, wehrfähigen Männer wurden einfach von der Armee ‚beschlagnahmt’. Auch hier ähnliche Bilder bei ihrer Ankunft der Flüchtlinge auf Ellis Island in New York: Frauen, Kinder und ältere Menschen. In manchen Familien meldeten sich die jungen Männer freiwillig zur Armee, um der Familie die Ausreise zu ermöglichen.

Laut einem Bericht der UNO gibt es weltweit etwa 60 Millionen Flüchtlinge, die sich ziemlich genau 50:50 auf Frauen und Männer aufteilen. Nur unter den Flüchtlingen aus muslemischen Ländern, die es nach Europa versuchen, gibt es diese absurden Bilder der ‚davonlaufenden Männern’.

Der ‚feige’ Terrorist

Das traditionelle Männerbild widerspricht der Realität in den muslimischen Familien. Der ‚männliche’ Mann wird sowohl von seiner Mutter als auch später von seiner Partnerin in einer Kind-Position gehalten, die später zum Rückzug ins ‚arabische Männercafe’ führt oder zu aggressiven Phantasien. Doch auch als angeblich mutige Terroristen suchen sie ängstlich den ‚einfachsten’ Weg, stellen sich nicht einer Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Männern, sondern töten bewusst wehrlose Menschen, die völlig unvorbereitet auf ihre Attacken sind.

Rachel Lu, erfolgreiche Autorin und Professor für Philosophie in den USA bietet einen einfachen Vergleich, um zu erklären, warum muslimische Terroristen ihrer Meinung nach Feiglinge seien:

Denken sie an einen Angestellten, der wütend auf seinen Vorgesetzten ist. Er hat erfolgreich gearbeitet und dem Unternehmen eine Menge Geld gebracht. Dennoch wird er gefeuert und durch einen anderen ersetzt. Er fühlt sich ungerecht behandelt und beschließt sich zu rächen. Er lauert der Tochter seines Chefs auf und tötet sie. Ist der Mann tapfer, kühn, mutig und hat sein Leben riskiert, um für seine Sache zu kämpfen? Nein, er ist ein Feigling und hat sich an den Schwachen und Wehrlosen abreagiert. Das sind moslemische Terroristen, die Besucher von Konzerten oder Weihnachtsmärkten ermorden; ganz egal welche Erklärung sie als Grund bieten.

 

1 Kommentar

  • Gewisse, im Artikel beschrieben Muster finden sich auch Ansatzweise beim heutigen Radikalfeminismus (ausdrücklich „Radikal“). Dazu gehört u. a. keine Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln, keine Selbstreflektion (Schuld sind immer die anderen, respektive ein Geschlecht), die Ablehnung der Leistungsgesellschaft und das gleiche, beibehaltene, „kindische“ Verhalten (ob Prinz oder Prinzesschen ist nicht eintscheident). Auch im Bereich der Gewaltfantasien ist eine Änlichkeit festzustellen, was für den einen die Ungläubigen ist für den anderen das männliche Geschlecht (beide gilt es zu „auszutilgen“). Allerdings würde sich niemand trauen, eine ähnlich gelagerte Untersuchung über führende Radikalfeministinen anzustellen… schon allein der Gedanke daran führt zur sofortigen sozialen Ächtung…(Ich erwarte nicht, dass dies veröffentlicht wird, aber ein interessantes Gedankenspiel;)

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