Die Morde in Sydney, vereitelte Terroranschläge von Europa bis Kalifornien: Dass der Terror gerade jetzt wieder sein Haupt erhebt, ist kein Zufall.
Das jüngste Opfer war ein 10-jähriges Mädchen. Das älteste ein 87-jähriger Holocaust-Überlebender. Judenhass unterscheidet nicht nach Alter, Geschlecht oder Biografie. Im Anschlag von Sydney, bei dem mindestens 15 Menschen ermordet worden sind, vereinen sich zwei tödliche Ideologien: Antisemitismus und Islamismus.
„Globalize Intifada!“
Hören wir endlich auf, uns was vorzumachen. Vater und Sohn haben in Sydney gezeigt, worauf einer der populärsten Slogans hinausläuft, den uns die angeblich pro-palästinensische, in Wahrheit aber bloß anti-israelische Szene seit dem 7. Oktober 2023 auf den Straßen entgegenplärrt.
Australien ist keine Ausnahme. Drei Tage nach dem größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust skandierte eine aufgebrachte Menschenmenge mit Palästina- und IS-Flaggen vor der Oper in Sydney abwechselnd „Fuck the Jews“ und „Allahu Akbar“. Ob sie auch „Gas the Jews“ gebrüllt haben, wie Augenzeugen und ein Video auf X nahelegen, ist fraglich. Der australischen Polizei zufolge hätte eine Untersuchung des Videos ergeben, dass sie stattdessen „Where’s the Jews?“ gerufen hätten. Hören Sie am besten selbst und lassen Sie sich vom Untertitel nicht irritieren. Wie auch immer: Wenn man Juden sucht, um sie zu f*cken, ist das ebenfalls nicht freundlich gemeint.
Judenhass unterscheidet nicht nach Alter, Geschlecht oder Biografie.
Die größten anti-israelischen Proteste in Australien sind auf Wikipedia nachzulesen. Wie in den meisten europäischen Ländern blieben sie für die Protestierenden ohne nennenswerte Folgen. Den üblichen Stehsätzen gegen Gewalt und Antisemitismus folgten keine wirksamen Maßnahmen. Im Gegenteil. Australien belohnte im September dieses Jahres den Terror der Hamas mit der Anerkennung Palästinas.
Um an dieser Stelle ein Missverständnis auszuräumen: im arabisch-israelischen Konflikt, der mittlerweile zu einem palästinensisch-israelischen geschrumpft ist, geht es nicht und ging es nie um Land. Es geht ausschließlich um die Existenz Israels. Darum erspare ich mir die Diskussion darüber, inwieweit Antizionismus antisemitisch ist. Was soll es sonst sein, den einzigen mehrheitlich jüdischen Staat der Welt auslöschen zu wollen (in dem rd. 20 Prozent Araber gleichberechtigt leben). Aber letztlich ist das eine semantische Diskussion, die vom eigentlichen Problem ablenkt.
Es spielt keine Rolle, ob man Slogans wie „Globalize Intifada“ und „From the River to the Sea” antisemitisch nennt. Sie sind auf jeden Fall eine Aufforderung zu Mord und Vertreibung. Sie stehen nicht für Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung und schon gar nicht für eine Zweistaatenlösung. Sie fordern, was die Hamas unter reger Beteiligung und Mithilfe der Bevölkerung am 7. Oktober in die Tat umgesetzt hat.
Die eigentliche Frage lautet also, warum wir solche Slogans auf unseren Straßen tolerieren. Wie ist Karl Poppers Forderung „keine Toleranz der Intoleranz“ in einem demokratischen Rechtsstaat umzusetzen? Was uns zum zweiten Charakteristikum des Attentats in Sydney führt.
Der Faschismus des 21. Jahrhunderts
Vater und Sohn schossen für den Islamischen Staat (IS). Der IS hat das erklärte Ziel der Errichtung eines weltweiten Kalifats basierend auf dem islamischen Recht, der Scharia. Von Irak und Syrien aus sollte sich das islamische Reich auf den Nahen Osten und schließlich auf die ganze Welt ausdehnen. Wir alle erinnern uns an die Videos, in denen Menschen bei lebendigem Leib verbrannt, enthauptet oder ertränkt wurden.
Die Verbreitung des größtmöglichen Schreckens, insbesondere an Festtagen, ist Teil der Strategie islamistischer Anschläge. Darum filmte die Hamas ihre Verbrechen und sendete sie online, darum verübte sie den Anschlag an Simchat Tora, einem hohen jüdischen Feiertag, darum mordeten die IS-Terroristen am Bondi Beach zum Auftakt des Chanukka-Fests, darum steuerte Anis Amri den LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin und sind Weihnachtsmärkte weltweit besonders gefährdet.
Ohne auf theologische Details einzugehen, sei festgehalten, dass sich aus dem Leben Mohammeds und dem Koran tatsächlich Rechtfertigungen für diese Strategie (z.B. Sure 2:217) und die Taten selbst (z.B. Sure 9:29) ableiten lassen. Der Islam ist seinem Wesen nach eben nicht nur eine Religion im spirituellen Sinn des Wortes, sondern zugleich Rechtssystem und Staatsideologie.
Der langjährige ORF-Reporter Friedrich Orter schreibt in seinem Buch Aufwachen, was oft verdrängt wird: „Die wenigsten von uns kennen den Islam als Gesetzesreligion, die das politische, soziale und kulturelle Leben bestimmt: eine Religion, die keine sich selbst verwaltenden Bürgerschaften kennt, eine Glaubenslehre, die die Einheit von Politik und Religion fordert und deren orthodoxe Anhänger den Islam für die einzige religiöse Wahrheit halten und sich auf die 114 Suren des Koran berufen.“
Nicht die Gesinnung ist strafbar, sondern die Aufforderung zur Tat.
Die Frage, wer den „wahren Islam“ verkörpert, müssen die Imame selbst klären. Mag sein, dass der freundliche Gemüsehändler, dessen Tochter ohne Schleier ins Gymnasium geht und sich abends mit ihren Freunden trifft, das wahre Gesicht des Islam ist, vielleicht übt er aber auch nur seine Religion schlampig aus. Die Wahrheit ist so verschwommen wie die Grenze zwischen Islam und Islamismus, den der niederländische Schriftsteller Leon de Winter als den „Faschismus des 21. Jahrhunderts“ identifiziert.
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass wir den Anfängen wehren müssen. Und die liegen jedenfalls dort, wo Muslime versuchen, ihre religiösen Gebote auf Nicht-Muslime auszudehnen – sei es das Verbot, den Propheten abzubilden, oder die Einhaltung des Ramadans – oder gleich die Errichtung eines Kalifats zu fordern. Das österreichische Verbotsgesetz 1947 könnte ein Modell sein, wie ein demokratischer Rechtsstaat Poppers Toleranzparadoxon auflösen könnte: nicht die Gesinnung ist strafbar, sondern die Aufforderung zur Tat. Dass sich eine mörderische Ideologie unter einem religiösen Mantel versteckt, darf kein Hindernis sein.
Zuerst erschienen im Pragmaticus.
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