Funksprüche

Kinder, Küche, Moschee

Große Kinder, große Sorgen.

Ich brauche ein neues Kind, meines ist schon so groß. Die Mimi, meine Tochter, hatte letzte Woche Geburtstag, 16 Jahre alt ist sie geworden. Erwachsen genug, meinte sie, um zu diesem NOVA ROCK zu fahren. Außerdem wären ja eh bald Ferien. Ich musste googeln, was das eigentlich für eine Veranstaltung ist, also: ein Musikfestival in Nickelsdorf im Burgenland. Fünf Tage sollte das Spektakel dauern, und genau so lang, so der Wunsch der Tochter, wollte sie dort campen und „chillaxen“. Ich hab diesen Zeitraum dann auf Donnerstag bis Samstag runtergehandelt, zwei schlaflose Nächte, in denen die Gedanken darum kreisen, was das Mädl jetzt grad wohl macht, reichen allemal. Sauteuer war der Spaß auch, die Tickets kosteten ein Vermögen. Wenn man jung ist kann man sich das ja gar nicht leisten. Und wenn man dann das Geld dafür hätte ist man zu alt, um das Woodstock 3.0 ohne gravierende gesundheitliche Folgeschäden zu überleben.

Ich trauere der Zeit nach, als das schlimmste, das die Tochter von einer Nacht auswärts hat mitbringen können, noch Läuse waren, oder den Grippevirus vom Gastgeber-Kind. In ihrem Alter muss man diese Liste-des-Schreckens wohl oder übel um „eine befruchtete Eizelle“ und „eine Alkoholvergiftung“ ergänzen. Neuerdings kommt noch eine Horrorvision dazu. Die Angst vor irre gewordenen religiösen Zauselbärten, die sich bei solchen Events im Namen des Propheten in die Luft bomben, und dabei möglichst viele Menschen mitreißen wollen. Schicksalhafte Ereignisse, gegen die, lassen uns Politiker wissen, man leider nichts unternehmen kann. Dass es nachher bei diesen Attentätern immer heißt, „War der Polizei bekannt“, daran gewöhnt man sich.

Tja, nachher ist man ja immer gescheiter. Oder halt tot.

Mädel-Papa

Als die Mama von der Mimi mir eröffnet hat, dass sie schwanger ist, war mein erster Gedanke: „Hoffentlich wird’s ein Mädchen!“. Okay, das ist gelogen, der erste war: „Na Servas, und das gerade jetzt, und mit dieser Frau.“ Lange gekannt haben wir uns ja nicht gerade, und die Beziehung hatte dann auch ein recht flottes Ablaufdatum. Aber der zweite, der zweite Gedanke galt dann definitiv dem Wunsch, dieser Winzling im Bauch möge doch bitteschön ein hübsches Paar X-Chromosomen besitzen. Die frisch geschlüpfte Mimi wollte ich dann auch gar nicht mehr aus der Hand geben, so glücklich war ich. Dass ich mir um eine Tochter ganz andere Sorgen machen würde wie um einen Buben, das wusste ich damals noch nicht. Ist aber so. Und auch, wenn ich kein Feminist bin, einige Ex-Freundinnen würden sogar vehement das Gegenteil behaupten, aber als Mädl-Papa sieht man die Welt schon ein bissl aus weiblicher Perspektive.

Burka-Feminismus

Meine Mutter, zum Beispiel, die ist echt emanzipiert. Die ist arbeiten gegangen, als das für Frauen noch recht exotisch war. Die wollte ihr eigenes Knödel verdienen, und nicht von meinem Vater abhängig sein. Der hat, obwohl als Serbe aus einer Macho-Kultur kommend, das gut gefunden und war stolz auf seine eigensinnige Frau. Trotzdem ihn Freunde aus der Heimat damit aufgezogen haben, ob er als Mann zu wenig verdient, um sich eine Familie leisten zu können. Heute regt sich meine Mutter darüber auf, wie viele Frauen sich wieder von den Männern papierln und unterdrücken lassen. Und wie spießig und verklemmt, sagt sie, die Gesellschaft geworden ist.

„Früher hat Emanzipation geheißen, für das Recht auf Abtreibung, Autonomie und Freiheit auf die Straße zu gehen“, hat sie mir beim letzten Besuch gesagt, „Jetzt haben wir diese ganzen jungen, schicken Feministinnen, die sich in Talk-Shows fürs Tragen von Kopftücheln und Burka stark machen, und eine Religion, die wie keine sonst extrem frauenfeindlich ist. Weils alle Angst haben, sonst gleich rassistisch oder rechts zu sein.“ Ihren Internet-Anschluss, den ich der Mama nach dem Tod meines Vaters eingerichtet habt, nützt sie fleißig zu täglichen Recherchen zum Thema. Deren Ergebnisse sie mir, wurscht was ich grad mache, umgehend mitteilen muss.

Verschleierter Feminismus

Ich sitze dann etwa im Taxi, und meine Mutter ruft an. „Wukkerl“, schreit sie empört in ihren Festnetz-Hörer daheim, „hast Du gewusst, dass dieser amerikanische Women´s March von einer radikalen, verschleierten Islamistin mitorganisiert worden ist, die die Scharia verteidigt, und es super findet, dass die Frauen in Saudi Arabien nicht Auto fahren dürfen?“

„Mama, Du, ich hab grad eine Fuhr nach Döbl…“ will ich sie einbremsen, aber erfahr dann trotzdem alles über die Aktivistin namens Linda Sarsour, und die Feministinnen, die beim Women’s March in den USA einen „Wie-binde-ich-meinen-Hijab“-Workshop abgehalten haben. Was ich außerdem von meiner Mutter weiß: Nach dem Attentat in Manchester hätten selbst ernannte Burka-Sittenwächter in den sozialen Netzwerken gemeint, die jungen Mädels, die das Ariana Grande Konzert besuchten, waren, typisch westlich, wie Huren gekleidet. Außerdem geht ein anständiges Mädchen zur Abendzeit nicht mehr vor die Türe. Das kann einen religiösen Eiferer schon einmal provozieren, da darf man sich kaum wundern. Aussagen, die von den besagten Internet-Feministinnen, die gerne mit diesem rosa Strickhauberl am Kopf für „Frauenrechte“ demonstrieren, widerspruchslos hingenommen wurden.

Mimi, meine Prinzessin, ich freu mich ja, dass Du ein Mädchen werden wolltest. Aber Du hast Dir eine verdammt blöde Zeit dafür ausgesucht.

„Halte Dich von Menschenmengen fern“ riet ich Mimi noch, bevor sie zum Konzert abdüste und drückte das kleine große Kind beim Abschied fest an mich. „Super Tipp, Papa, das ist ja bei einem Festival überhaupt kein Problem“, antwortete die Tochter mit dem ihr eigenen flapsigen Unterton und löste sich rasch aus der Umarmung. „Tschüss, Papa“ – und weg war sie.

Egal, Schlaf wird eh überbewertet.

 

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