Fannys Salon

Fanny im Einkehrschwung

Vom Zauber des Schizirkus

Anfang Februar zieht es die Familie Weiss gegen Westen, in ein gebirgiges Land, wo Häuser in Tälern gruppiert sind und mächtige Berge rundum emporragen.

Das flache Land mit seinen wunderbaren Laubwäldern, den Hügeln des Wiener Beckens, die sich zwar Berge nennen, aber kaum an ihre Verwandten in den Schigebieten heranreichen können, ist mein Zuhause. Im Westen angekommenen fühle ich mich klein, entwurzelt und fremd.

Nicht so der Rest der Familie. Schifahren ist den Meinen das Schwimmen des Winters, die Berge sind der Untergrund für Pistenabfahrten. Hier kann man morgens aus dem Bett springen, einen raschen Fressakt am Frühstücksbüffet absolvieren, sich funktional bekleiden und dann ins sportliche Schitreiben stürzen.

All das scheint mir ein Wettkampf zu sein. Gegen die Zeit, gegen den inneren Schweinehund, Mann/ Frau gegen Berg – ich weiß es wirklich nicht. Was aber klar ersichtlich für die fehlplatzierte Mitstreiterin, also mich, scheint, ist, dass alles schnell vonstatten gehen muss.

Ein schnelles Treiben

Die Menschen drängen zum Lift, stürzen sich die Pisten herab, schon geht es wieder aufwärts, gleich wieder hinab. Schizirkus steht an allen möglichen Knotenpunkten des Schigebiets, das erklärt vielleicht das Treiben.

Mitten drin findet sich nun eine Fanny, deren Natur die Sportlichkeit eher nicht ist. Die Ästhetik ist der stärkste Halt in meinem Leben, wenigstens schön muss etwas sein, wenn das nicht mehr gewährleistet werden kann, macht es keinen Sinn.

Aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet, gibt es sehr viel Schönes auf den Bergen zu finden: Schneewehen in sauberstem Weiß, tiefgrüne Tannen mal leichter, mal stärker angezuckert, graue, raue Bergspitzen, die in den azurblauen Himmel ragen und eine Sonne, die wohl auch Teil dieses groß angelegten Wettkampfes ist, ihr Gegner ist der Nebel.

„Foto, Foto“, krächzt mir die vorbei bretternde Teenager Brut entgegen, meine verlorene Existenz im eisigen Gebirge dient ihnen dauerhaft als witzige Untermalung. „Brav ist die Mama wieder gefahren“, „Na, hast du wieder schöne Bäume gesehen?“ schallt es mir gegen Ende des Schitages entgegen.

Pistenzauber

Unsere Gruppe macht immer wieder Halt, um den weiteren Weg zu erörtern. Schließlich gilt es, alle Pisten mehrmals abzufahren. Nichts darf versäumt werden, es geht schließlich ums Ganze, hier das gesamte Pistenparadies.

Meine persönliche Lieblingspiste führt zu meiner bevorzugten Schihütte, wo Kaiserschmarren mein Gemüt erhellt und der Kachelofen meine Zehen wärmt.

Nach Jahren im selben Schigebiet und unzähligen Abfahrten sowie Aufstiegen habe ich bis heute keinerlei Orientierung. Eine Piste wie die andere.

Den Gesprächen über die Schneequalität auf dieser oder jener Piste, den Unterhaltungen über den beeindruckenden Ausbau der modernsten Liftanlagen lausche ich. Über das Strahlen in den Gesichtern der Meinen, die ihren endlosen Wettkampf sichtlich in Zwischenetappen gewinnen, freue ich mich.

Und als eine, die außerhalb des Bewerbes steht, sehe ich vielleicht viel mehr als andere: Viel Gefahr durch Unvernunft, aber allem voran glückliche Menschen, die große Freude am Hinauf und Hinunter finden. Pistenzauber sozusagen.

 

Kommentar verfassen