DIE MASKE DES ZORRO

D

Aus dem Corona Tagebuch (7)

»Hallo, sie können nicht einfach so hier in den Supermarkt, kennen sie die neuen Bestimmungen nicht?«

»Natürlich kenn‘ ich die, das sagen sie ja eh alle halbe Stund‘ im Fernsehen. Ich hab‘ ja eine Maske, sehen‘s das nicht?«

»Ja, sicher sehe ich die, sie Witzbold, aber das ist eine Maske und kein Mundschutz! Wenn sie sich vor ihrer Gattin verstecken und hier einen Schnaps kaufen, versteh ich das, aber hier brauchen sie irgendwas, was den Mund zudeckt!«

»Im Fernsehen haben’s Maske g’sagt, und die hab ich noch vom letzten Fasching, heuer durfte man ja nirgends hingehen, bin froh, ich hab‘ sie mir trotzdem aufgehoben!«

»Gehn’s bitte, jetzt stellen sie sich nicht so an, die verdeckt ja nur ihre Augen!«

»Nein! Die verdeckt nicht meine Augen, sonst würd‘ ich ja nix sehen!«

»Jetzt reicht’s mir bald, es geht doch um den Mund, ihren Atem, mit dem sie alle anstecken!«

»Ich steck niemand an, bin pumperl g’sund, ich bin nicht krank, da greifen’s auf meine Stirn, kalt wie ein Stein!«

»Von mir aus, können sie eine Stirn hab’n wie ein Eislutscher, aber hier kommen sie nicht ohne Mundschutz rein!«

»Ich könnt sie ja einfach runterziehen, meine Maske. So, einfach so!«

»Wie soll das gehen? Dort wo die die Nase war, ist jetzt ihr Mund, und er ist nicht bedeckt, und die beiden Löcher für die Augen zeigen die unrasierten Wangen, so geht das nicht.«

»Warten’s, ich dreh sie a bisser’l.«

»Jetzt reicht’s mir langsam, jetzt haben’s das Loch von einem Aug genau über dem Mund, hier nehmen’s den Mundschutz, und fertig.«

»Das geht nicht, Mund und Augen, da stolpere ich garantiert, sie gefährden mich ja!«

»Dann nehmen sie doch die blöde Maske ab und nehmen’s bitte den Mundschutz! Darum geht’s doch!«

»Steht aber extra: Sie können auch die eigene Maske mitbringen!«

»Maske für’n Mund und ned für die Augen. Sie schau‘n ja aus wie der Zorro, wo soll da der Gesundheitsschutz sein?«

»So san’s doch nicht so, ich hab’s ja gestern probiert, die Mundbinde, ich hab’s immer mit der Angst, ich erstick mit dem Zeug vor’m Mund.«

»Keine Ausrede, Vorschrift ist Vorschrift, das gibt’s keine Ausnahmen. Ich lass mir doch nicht das ganze G’schäft verpesten von ihnan!«

»Was haben’s g’sagt? Verpesten? Ich soll wen verpesten! Wo ich mir jeden Tag zehnmal die Händ‘ wasch, bei jeden im Stiegenhaus ausweiche wegen dem Meter, den man weg sein soll, und im Park auf an Eck sitz und der Poidi, mei Freund, am anderen Eck, ganz weit auseinander, und sie reden von Verpesten!«

»Es war furchtbar, wie die beiden auf einander losgegangen sind«, berichtete die Zeugin vor Gericht, »der eine mit der Zorro-Maske hat den Herrn Franz, den wir ja alle kennen, im Geschäft einfach weggestoßen, so mit den flachen Händen vorm Bauch und der ist nach hinten gefallen, auf den Ständer mit allen Masken und der ist umgefallen, und alle Masken auf den Boden. Der Herr Franz ist aber aufgesprungen, der ist ja noch unheimlich sportlich für sein Alter und hat dem Zorro die Maske runtergerissen. Da hat sich aber der Gummi von der Maske hinten am Kopf in die Haare verfangen und mit der Maske ist das ganze Toupet von dem Herrn durch die Luft geflogen. Inzwischen ist ein Polizist reingekommen, der vor der Tür zufällig gestanden ist, und hat die zwei beruhigt. Aber alle Masken waren am Boden, und wir konnten nicht einkaufen, das ganze Geschäft war zwei Stunden zu. Ich habe draußen gewartet mit dem Herrn mit der Zorro-Maske, der war eigentlich ganz nett!«


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Über den Autor / die Autorin

Peter Sichrovsky

Klassische Dilettanten-Karriere, wenig von viel und viel von wenig zu wissen, zu können, nach Studium der Chemie Marketing in Pharmaindustrie, dann Journalist, Schriftsteller, Mit-Gründer des Standards, SZ/Stern Korrespondent in Asien, EU-Parlamentarier, die letzten zehn Jahre Industrie-Karriere in Süd-Ost-Asien, 23 mal übersiedelt und nach Wien, Berlin, New York, München, New Delhi, Singapur, Hong Kong, Manila, Los Angeles und Brüssel in Chicago gelandet. Seit September 2017 lebt Peter Sichrovsky in London.

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