In Großbritannien wird derzeit ein Fall verhandelt, der politischen Sprengstoff birgt: Die britische Polizei folgt offenbar einem rassistischen Muster – nur mit vertauschten Vorzeichen.
3. Dezember 2025, Portswood, Southampton. Vickrum Digwa trägt offen einen Kirpan, ein 21 Zentimeter langes Zeremonialmesser, das getauften Sikhs als Glaubenssymbol gilt. Der 18-jährige Henry Nowak, britischer Student polnischer Herkunft, filmt ihn mit dem Handy. Digwa sticht fünfmal auf ihn ein. Nowak versucht zu fliehen, klettert über einen Zaun und bricht zusammen.
Als die Polizei eintrifft, beschuldigt Digwa Nowak eines rassistischen Angriffs. Die Beamten legen dem blutenden, am Boden liegenden Nowak Handschellen an. Er beteuert mehrfach, auf ihn sei eingestochen worden: „I’ve been stabbed.“ Ein Polizist antwortet ungerührt: „I don’t think you have, mate.“ Er glaubt ihm nicht. Nowak ertrinkt buchstäblich in seinem eigenen Blut. Erst danach werden ihm die Handschellen abgenommen. Seine letzten Worte: „I can’t breathe“.
Black lives matter…
Der Satz dürfte Ihnen bekannt vorkommen. Er wurde tausendfach zitiert, als George Floyd im Mai 2020 durch die Fixierung eines amerikanischen Polizisten erstickte. Sein Tod war der Auslöser der weltweiten Black-Lives-Matter-Proteste. Obwohl es einiges an Phantasie braucht, dessen Ursache primär in Rassismus zu suchen. Die offensichtlich mangelnde Ausbildung vieler amerikanischer Polizisten wäre naheliegender, zumal es schon vier Jahre davor zwei ähnliche Fälle gab.
Am 18. Januar 2016 wurde der 26-jährige unbewaffnete Daniel Shaver im Flur eines Hotels in Arizona von der Polizei gestellt. Er kroch weinend auf Händen und Knien, versuchte, den verwirrenden Befehlen der Polizisten zu folgen und bettelte um sein Leben. Vergeblich. Officer Philip Brailsford erschoss Shaver mit fünf Schüssen aus einem halbautomatischen Gewehr. Das Bodycam-Video des Officers ist öffentlich.
Die Toten waren weiß, die Polizisten auch, das ist keine Story, die sich politisch verwerten lässt.
Am 10. August desselben Jahres rief der 32-jährige Tony Timpa selbst den Polizeinotruf in Dallas, weil er eine akute psychische Krise hatte: Er leide unter Schizophrenie, Depression und stehe unter Kokaineinfluss, so Timpa am Telefon. Als die Polizei kam fixierte sie ihn rund 14 Minuten lang bäuchlings mit Handschellen und Knie im Rücken. Timpa flehte mehrfach „You’re gonna kill me“. Die Beamten lachten. Timpa erstickte. Auch davon existiert ein Bodycam-Video.
Beide Vorfälle wurden in den USA und hierzulande kaum beachtet. Die Toten waren weiß, die Polizisten auch, das ist keine Story, die sich politisch verwerten lässt.
Und wenn Sie vom Mord an Henry Nowak noch nichts gehört oder gelesen haben, grämen Sie sich nicht: Außerhalb von als „rechts“ geltenden Medien und Tweets auf der „Hass- und Fake-News-Schleuder von Elon Musk“ (© Armin Wolf), also auf X, wurde darüber nicht berichtet. Zumindest konnte ich zu Zeitpunkt des Verfassens dieses Texts in keinem etablierten deutschsprachigen Medium einen Bericht darüber finden.
… white lives don‘t
Dabei setzt Nowaks Tod eine jahrelang andauernde Serie rassistisch motivierter, polizeilicher Ignoranz gegenüber weißen Opfern fort. In den Jahren von 1997 bis 2013 missbrauchten in Rotherham, Rochdale, Oxford und Telford überwiegend pakistanisch-stämmige Männer systematisch tausende Mädchen, die meisten weiß und zwischen 12 bis 15 Jahren.
Sie lockten die Minderjährigen mit Alkohol, Drogen und Zigaretten in Wohnungen, vergewaltigten sie einzeln oder gruppenweise, gleichzeitig oder nacheinander. Dabei filmten sie die Taten und erpressten die Opfer mit den Videos zu weiterem Sex oder zwangen sie in die Prostitution.
Spätestens ab 2002 hatte die Polizei konkrete Hinweise, einschließlich der Namen von Tätern und Adressen von Tatorten. Dennoch blieben gezielte Ermittlungen aus. Die Mädchen wurden als „Prostituierte“ erniedrigt, ihr systematischer Missbrauch durch organisierte Grooming Gangs als ihr „lifestyle choice“ verniedlicht. Der Grund war die Angst vor Rassismusvorwürfen: Beamte und Behörden fürchteten, als rassistisch zu gelten, wenn sie pakistanisch-stämmige Verdächtige gezielt untersuchen oder die ethnische Dimension öffentlich machen würden.
Allein in Rotherham sind mindestens 1.400 Opfer dokumentiert. Bis heute wurde kein Polizist, Staatsanwalt oder Politiker zur Verantwortung gezogen.
Der neue Rassismus
Auf den ersten Blick scheinen die geschilderten Fälle wenig miteinander zu tun zu haben. Bei näherer Betrachtung offenbart sich jedoch ein Muster: Verbrechen von Weißen an Schwarzen werden weltweit zu einem Symptom von systemischem Rassismus hochgejazzt und lösen Massenproteste aus. Verbrechen an Weißen werden medial totgeschwiegen oder – wie bei den Grooming Gangs und dem Mord an Henry Nowak – von den Behörden aus Angst vor Rassismusvorwürfen systematisch nicht verfolgt.
Ein ähnlich gelagerter Fall wurde im März in Deutschland bekannt. In Berlin-Neukölln hat im November 2025 ein 17-jähriger arabisch-stämmiger Junge eine 16-jährige Schülerin türkisch-kurdischer Herkunft im Garten eines staatlichen Jugendzentrums nach deren Aussage mutmaßlich vergewaltigt. Der mutmaßliche Täter filmte die Tat und erpresste das Mädchen mit dem Video. Im Januar 2026 kam es laut Aussage der Schülerin zu weiteren Vergewaltigungen durch eine Gruppe von bis zu acht mehrheitlich arabisch-stämmigen Jugendlichen.
Der berechtigte Kampf gegen Rassismus ist unter dem postkolonialen Einfluss in sein Gegenteil verkehrt worden.
Das Jugendzentrum und das Neuköllner Jugendamt waren frühzeitig informiert. Beide haben die Taten bewusst nicht der Polizei gemeldet, um einen Generalverdacht gegen muslimische Jugendliche zu vermeiden. Auch wenn das Opfer in diesem Fall selbst Migrationshintergrund hat und statt der Hautfarbe Herkunft und Religion im Vordergrund standen, ist das Prinzip dasselbe wie in Rotherham: Die Sorge vor Rassismusvorwürfen oder Stigmatisierung der Täter aufgrund ihres Migrations- bzw. muslimischen Hintergrunds wog schwerer als der Schutz des Opfers. Das Mädchen wurde einfach im Stich gelassen.
Der berechtigte Kampf gegen Rassismus ist unter dem postkolonialen Einfluss in sein Gegenteil verkehrt worden. Hautfarbe darf keine Rolle spielen, schon gar nicht in staatlichen Institutionen. Stattdessen ist eine neue Rassenhierarchie entstanden, nur mit umgekehrten Vorzeichen.
Wenn schwarze Opfer instrumentalisiert werden, um Schwarze vor polizeilicher Verfolgung zu schützen oder migrantische Täter erst gar nicht angezeigt werden, um Migranten nicht unter Generalverdacht zu stellen, während weiße Opfer von Behörden und Medien ignoriert werden, ist eine Grenze überschritten, die den Rechtsstaat aushöhlt. Damit sollten wir uns nicht abfinden.
Zuerst erschienen in DER PRAGMATICUS.
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