Deutschland Wissenschaft

Zu viel Wald

Deutschland ist viel zu grün

(Michael Miersch, Salonkolumnisten) »Fragt man ein Kind, wo die Tiere wohnen, kommt die Antwort meistens prompt: Im Wald. Auch die meisten Erwachsenen sind dieser Meinung. Wald gilt hierzulande beinahe als Synonym für Natur. Schriftsteller, Psychologen und Sozialforscher befassten sich mit der Waldliebe der Deutschen. Tacitus sah im Wald die Grundlage germanischer Lebenswelt. „Alles Deutsche wächst aus dem Wald“, schrieb der Nazi-Schriftsteller Otto Brües. Der erfolgreichste Bestseller im heutigen Deutschland ist das Buch eines Försters über Bäume. In keinem Nachbarland führte die Sorge um ein mögliches Waldsterben in den 80er-Jahren zu solch massenhafter Erregung. Alle Medien warnten in schrillem Ton vor einer „Versteppung“. Das Gegenteil trat ein. Den Erfolg deutscher Waldliebe kann man auf jeder Zugfahrt betrachten: Dichte Grüne Wälder zieren das Land. Darin tummeln sich Eulen, Spechte, Dachse, Waldameisen und mittlerweile sogar wieder Luchse.

Das ist schön, doch aus Sicht der Ökologie sind Wälder nicht alles. Denn Tierarten, die am liebsten in dichten Wäldern leben, sind in der Minderheit. Selbst der Rothirsch wohnt nur notgedrungen dort, um sich vor Jägern zu verstecken. Von den Pflanzen ganz zu schweigen. Im kühlen Schatten der Baumkathedralen können nur wenige gedeihen.«

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