Feuilleton

Wir erziehen Rotzlöffel

„So ziehen wir Rotzlöffel heran“

(Jeannette Otto, ZEIT ONLINE) »Der schwedische Psychiater und Buchautor David Eberhard sagt, eine liberale Erziehung schade Kindern und Eltern. Jeannette Otto unterhielt sich mit ihm in Stockholm.

Wann waren Sie zum letzten Mal mit Ihren Kindern in einem Restaurant?

Das ist nicht so lange her. Warum fragen Sie?

Weil die Wirte in Stockholm genug haben von Eltern mit Kindern, die sich nicht benehmen können. Ein Lokal hat Familien den Zutritt nun sogar verboten. Und das im kinderfreundlichen Schweden.

Ich kann das gut verstehen. Es gibt immer Kinder, die schreien, Getränke verschütten, durch die Räume rennen oder bei minus fünf Grad die Tür aufreißen. Die Eltern sitzen daneben und denken nicht daran, einzugreifen.

Warum sagt dann kein anderer was?

Das traut sich niemand mehr. Eltern können sehr unangenehm werden, wenn man ihren Nachwuchs kritisiert. Früher gab es eine Gemeinschaft der Erwachsenen. Man hatte die gleichen Werte, was die Erziehung anging. Wenn sich ein Kind danebenbenahm, ging man hin und sagte: Hör auf damit! Diese Übereinkunft gibt es nicht mehr. Wir Erwachsenen stehen nicht mehr füreinander ein, wir stehen nur noch für unsere Kinder ein.

Ihr neues Buch Kinder an der Macht erscheint in wenigen Wochen auf Deutsch. Darin behaupten Sie, die liberale Erziehung sei gescheitert. Warum?

Weil sich Eltern nicht mehr wie verantwortungsvolle Erwachsene verhalten. Sie glauben, beste Freunde ihres Kindes sein zu müssen. Sie stellen sich auf eine Stufe mit dem Kind, wagen nicht, ihm zu widersprechen, Grenzen zu setzen. Sie treffen keine Entscheidungen mehr, sondern wollen so cool und hip und rebellisch sein wie ihre Kinder. Unsere Gesellschaft besteht nur noch aus Teenagern.

Aber meinen Sie wirklich, dass auch deutsche Eltern sich von ihren Kindern vorschreiben lassen, wohin sie in den Urlaub fahren, was es zu Essen gibt, was sie im Fernsehen schauen?

Viele werden sich wiedererkennen. Eltern trauen sich nur ungern mit Erziehungsproblemen nach außen. Die sagen: Bei uns ist alles in Ordnung, kein Thema! Und trotzdem haben sie permanent ein schlechtes Gewissen, weil sie glauben, so vieles falsch zu machen. Sie kommen abends erschöpft von der Arbeit und kochen, was das Kind mag, weil sie keine Diskussionen wollen. Sie lassen es auch länger als vereinbart vor dem Fernseher sitzen, um Ruhe zu haben. Sie verbringen ihren Urlaub an Orten, an denen die Kinder beschäftigt sind, obwohl sie ohne Kinder nie dorthin fahren würden. Ich sage nicht, dass das falsch ist. Ich sage nur, ihr müsst das Kind nicht komplett ins Zentrum eures Lebens stellen. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass es euren Kinder damit besser geht, dass sie später erfolgreicher werden oder sorgenfreier leben.«

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1 Kommentar

  • Die Politdarsteller wissen nicht wie es um die Deutsche Sprache bei der heutigen Jugend steht. Viele Kinder aus Deutschen Familien sind nicht fähig einen korrekten Satz zu schreiben. Sitzenbleiben wird gestrichen, Abitur um jeden Preis, 1×1 unwichtig das heutige Leben hat andre Maßstäbe „cool sein“
    Voraussetzung wäre, dass die Menschen zunächst mal eine ausreichende geschichtliche Bildung hätten- haben sie nicht.
    weitere Voraussetzung wäre: Interesse an der Selbstgestaltung des eigenen Lebens – haben sie nicht.
    Weitere Voraussetzung wäre: soziales Denken – haben die wenigsten.
    Weitere Voraussetzung: Erziehung zu konstruktiver Kritik,
    alle diese Punkte wurden aber bewusst aus den Lehrplänen herausgefiltert.

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