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USA

Vietnamkrieg: die USA waren nicht der böse Imperialist

(Stephan Bierling, NZZ)

Hartnäckige Legendenbildung

»Der Vietnamkrieg von 1965 bis 1973 ist bis heute das grosse Trauma Amerikas. Seit 50 Jahren beschäftigt sich das Land geradezu besessen mit ihm – in Hollywoodfilmen, Romanen, Sachbüchern. Fünf Millionen Menschen besuchten 2017 die ergreifende Gedenkstätte an der Mall in Washington mit den in schwarzen Granit sandgestrahlten Namen der mehr als 58 000 Gefallenen. Im Herbst des vergangenen Jahres zeigte der Bildungskanal PBS eine epische zehnteilige, siebzehnstündige Dokumentation über den Krieg. Sie wurde eine der meistgesehenen Produktionen in der Geschichte des Senders, in den USA und ausserhalb: Zuschauer in 88 Ländern streamten die Serie, allein in Deutschland, wo Arte sie ausstrahlte, 1,5 Millionen Mal. Es gab sogar eine Version mit vietnamesischen Untertiteln.

Dass der Vietnamkrieg im kollektiven Bewusstsein der Amerikaner noch ähnlich präsent ist wie der Bürgerkrieg und der Zweite Weltkrieg, liegt nicht allein an den Opferzahlen. Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 kostete 36 000 GI das Leben und ist doch weitgehend vergessen. Erst 1995 erhielten die dort Gefallenen ein eigenes Kriegerdenkmal, 13 Jahre nach Eröffnung der Vietnam-Gedenkstätte. Aber der Koreakrieg sah nur 16 Monate intensiver Kämpfe, endete mit einem unbefriedigenden Patt, war in den Medien wenig präsent und fand in einem Klima der innenpolitischen Ruhe statt.

Der Vietnamkrieg dagegen war bis dahin der längste Krieg der USA seit ihrer Gründung und der einzige, den sie verloren. Und er war der erste im Zeitalter des neuen Massenmediums Fernsehen. Hatten 1950 nur 9 Prozent aller US-Haushalte ein TV-Gerät besessen, waren es 1965 schon 93 Prozent. Jeden Abend strahlten die Nachrichtenjournale der drei landesweiten Sender ABC, NBC und CBS Bilder von den Kämpfen und die Gefallenenzahlen in die amerikanischen Wohnzimmer.«

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