Feuilleton

So funktioniert die neue kulturelle Apartheid

(René Scheu, NZZ)

Nur Schwarze können Schwarze, nur Frauen können Frauen verstehen

»Ethnie, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Religion: Die Menschen werden neuerdings wieder in unterschiedliche Stämme eingeteilt. Stört das wirklich niemanden? Wie die Identitätspolitik rassistische Denkmuster wiederbelebt.

Die Geschichte ist fast zu krass, um wahr zu sein. Aber sie ist wahr, und darum beginnt sie nicht nur krass, sondern endet auch so: Die Priester der Azteken opferten in Tenochtitlan, dem heutigen Mexiko-Stadt, Tausende von Menschen, die sie zuvor gefangen genommen hatten. Zuerst schnitten sie ihnen bei lebendigem Leibe die Brust auf, um das Herz zu entfernen, in einem zweiten Schritt trennten sie den Kopf säuberlich vom Rumpf. Dann wurden Haut und Muskeln entfernt, bis nurmehr der nackte Schädel übrig blieb. Unzählige solcher Schädel wurden auf eine Holzstange aufgespiesst. Hunderte solcher Stangen bildeten ein Gerüst, Tzompantli genannt, das rechts und links von zwei ebenfalls mit Schädeln geschmückten Türmchen flankiert wurde. Die Kultstätte, der Templo Mayor, diente den Azteken zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert dazu, Huitzilopochtli, ihren Sonnen- und Kriegsgott, durch Menschenopfer gnädig zu stimmen.

Das klingt wie eine Horrorgeschichte, die frühe spanische Eroberer Mexikos erfunden haben, um ihre Grausamkeit gegen die indigene Bevölkerung zu legitimieren. Die Zeugenberichte der Konquistadoren galten denn unter Historikern und Archäologen bis vor kurzem auch als starke Übertreibung. Nun steht jedoch zweifelsfrei fest, dass die Berichte der Eroberer der Wahrheit entsprechen. Dies haben neue archäologische Funde in Tenochtitlan ergeben. Die Fachwelt staunt und das geschichtsinteressierte Publikum nicht minder.«

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