Feuilleton

Schubs mich!

Der Mensch ist faul

(Christina Neuhaus, NZZ) »Der Bürger ist ein faules Wesen. Er isst zu wenig Gemüse, trinkt zu viel, treibt zu wenig Sport und liest die Abstimmungsunterlagen zu wenig aufmerksam. Leider ist er auch sonst ein unvollkommener Charakter. Er fährt zu schnell, erzieht seine Kinder zu lasch, pflegt seine kranken Eltern falsch und benutzt in seinem Schrebergarten zu viel Unkrautvertilger. Weil er so viele Defizite hat, muss man ihn nicht nur aufklären, man muss ihn auch dazu bringen, sein Verhalten zu ändern.

Vor drei- bis viertausend Jahren, als der Bürger meist noch ein Stammesmitglied war, gestaltete sich die Volkserziehung einfach. Es genügten zehn Gebote und drakonische Strafen. Einmal seines Nächsten Weib, Knecht, Magd oder Vieh begehrt – zack, schon war es aus mit dem Begehren. Mit der zunehmenden Sesshaftigkeit der Menschen veränderte sich das Bedürfnis nach Regeln. Die Bildung von Städten und staatlicher Organisation verlangte nach Gesetzen. Zu den Zehn Geboten kam über die Jahrtausende ein ganzes Regelwerk an Vorschriften. Bereits der Codex Hammurabi, eine babylonische Sammlung von Rechtssprüchen aus dem 18. Jahrhundert vor Christus, enthält beinahe 300 Rechtssätze. Seither sind Millionen von Paragrafen dazugekommen.«

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