International

Russlands Aids-Epidemie

80 Tote pro Tag

(Ivo Mijnssen, NZZ) »“Leider ist die Stigmatisierung dieser Menschen in der russischen Gesellschaft tief verankert“, seufzt Elena Dolschenko. Sie betreibt die Website des Aids-Zentrums. Aids gelte noch immer als Krankheit der Drogenabhängigen und der Homosexuellen. „Aber es ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, erklärt Dolschenko: 2017 erfolgte erstmals die Mehrheit der Neuansteckungen durch sexuellen Kontakt zwischen heterosexuellen Personen. Diese machen 40 Prozent aller HIV-Positiven aus. 55 bis 60 Prozent aller Infizierten haben sich beim Drogenkonsum angesteckt, weniger als 2 Prozent durch sexuellen Kontakt unter Homosexuellen.

Die Drogensüchtigen sterben am häufigsten, befinden sie sich doch in einem Teufelskreis aus Krankheit, sozialer Marginalisierung und ungesundem Lebenswandel. Dazu kommt politischer Unwille: So lehnt die russische Regierung aus antiwestlichen Vorurteilen Methadon-Programme ab, die in anderen Ländern zu einer Eingrenzung des Aids-Problems geführt hatten. Seit 2009 wurde auch die Zahl der Abgabestellen für saubere Nadeln von 80 auf 10 reduziert. Diese liegen zudem in einigen wenigen grossen Städten.«

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