Feuilleton

Rockstar der Anti-Korrekten

(Lukas Weber, BAZ)

Jordan Peterson: 12 Rules for Life

»Eine Gruppe Transsexueller umringt Jordan Peterson und provoziert ihn: «Wir sind an Ihrer Kundgebung von Nazis beleidigt worden – möchten Sie dies kommentieren? Transsexuelle nehmen sich reihenweise das Leben, und Sie tragen dazu bei. Warum tun Sie das?» Es herrscht eine aufgeheizte Stimmung, doch Peterson hört geduldig zu und antwortet auf jede Frage. Für kurze Zeit reisst ihm der Geduldsfaden: «Oh Mann, es ist fast unmöglich, Ihnen zuzuhören. Ich würde es gern, aber Sie rattern einfach drauflos mit Ihrer Rhetorik.» Dazu macht er mit beiden Händen eine Geste der Entgeisterung. Dann wendet er sich der nächsten Person zu. Das Hickhack geht weiter.

Jordan Peterson ist keiner, der vor unangenehmen Gesprächen wegläuft. Man erhält eher den Eindruck, dass er diese regelrecht sucht, als seien sie seine Mission. Der 55-jährige Kanadier unterrichtet klinische Psychologie an der Universität Toronto. Seine Spezialgebiete sind Persönlichkeitsstörungen und die Psychologie religiöser und ideologischer Ansichten.

Es hätte ein ruhiges akademisches Leben bleiben können, doch dann kam das Gesetz «Bill C-16», unter dem der kanadische Staat jede sexuelle Identität – zum Beispiel geschlechtslos, zwitterartig, zweigeschlechtlich und so weiter – schützen und die Missachtung einer solchen Identität bestrafen muss. Leute, auf die nach eigener Aussage weder das männliche noch das weibliche Geschlecht zutrifft, müssen seit Juni 2017 mit den von ihnen gewünschten Pronomen angesprochen werden, etwa «hou», «yo» oder «ze» anstatt «he» und «she». Peterson sagt, ein Gesetz, das den Bürgern vorschreibe, wie sie reden müssten, sei ein schwerer Verstoss gegen die Meinungs- und Redefreiheit. Während der Beratung des Gesetzes im Parlament lud er seine Diskussionsbeiträge auf YouTube, wo sich diese explosionsartig verbreiteten. So wurde Peterson eine Art Rockstar gegen die politische Korrektheit.«

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