Deutschland

Prügel, Drohungen und Efeu, der durchs Fenster wächst

(Sören Götz, ZEIT Online)

Szenen aus dem deutschen Schulalltag

»Wenn es gut läuft, unterrichte ich 20 Minuten in einer Schulstunde, die restlichen 25 Minuten verbringe ich mit Ermahnen, Erziehen und Beruhigen. Ein Schüler wälzt sich auf dem Boden hin und her. Ein anderer steht auf und bespuckt seine Mitschüler. Ein Junge schreit so laut, dass ich denke, mir platzt das Trommelfell. Ein Schüler fängt an zu singen, ein anderer führt Selbstgespräche. Einer leckt die Wand ab. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich arbeite nicht mehr mit den Schülern, sondern gegen sie.

Alle Kollegen sind der Meinung, dass diese Schüler – und es sind nicht wenige – in der Förderschule besser aufgehoben wären. Leider schließen jedoch immer mehr Förderschulen. So ist keinem geholfen: Weder dem Schüler mit Förderbedarf, noch den anderen. Die Schüler, die etwas erreichen wollen, aber nicht können, weil der Unterricht immer und immer wieder unterbrochen wird, tun mir leid. Eine Privatschule kann sich nicht jeder leisten.

Gespräche mit den Schülern und ihren Eltern bringen selten etwas. Wenn man Glück hat, schaltet sich nach Monaten die Schulpsychologin ein und später manchmal das Jugendamt. Diese Schüler brauchen Hilfe, bekommen sie aber nicht.«

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