Österreich

Peter Sichrovsky

(Erik Ebneter und Muir Vidler, Die Weltwoche)

Der talentierte Dilettant

»… Bald wurde er in Österreich angefeindet wie sonst nur Haider. ›Als meine schwangere Frau eine Galerieeröffnung besuchte, zischte ihr jemand zu: ‹Du trägst das Kind des Teufels in dir.‹ Das Justemilieu hasste mich.‹ Die FPÖ galt damals bestenfalls als rechtspopulistisch, eher aber als rechtsextrem, und wer sich ihr anschloss, machte sich verdächtig, ein Faschist zu sein. War Sichrovsky ein Faschist? Er war der Sohn jüdischer Kommunisten, ein angesehener Schriftsteller und Journalist – unverdächtiger konnte man nicht sein. Und genau das war die Provokation.

Seine Eltern hatten in England den Holocaust überlebt, aber viele Verwandte waren in den Konzentrationslagern umgekommen, ermordet von den Nationalsozialisten, die sich in Österreich nach dem Krieg vor allem in der FPÖ sammelten. Wie kommt ein Jude dazu, bei einer solchen Partei mitzumachen? ›Das ist die falsche Frage‹, sagt Sichrovsky. ›Ob ich Jude bin oder nicht, spielt keine Rolle, wenn es um Politik geht. Ein Jude darf sich politisch irren wie jeder andere auch.‹ Und was wäre die richtige Frage? ›Weshalb ich rechts und nicht links bin.‹ Er sitzt auf dem Sofa seines Wohnzimmers, um sich herum die Bücher von Franz Kafka und Joseph Roth, die ihn seit der Jugend begleiten – und beginnt zu erzählen.«

Hier lesen (kostenpflichtig, aber es lohnt sich)

 

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