Islam

Parallelgesellschaft

„Allmählich etabliert sich eine Parallelgesellschaft“

(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD) »Welche Rolle können die Moscheen dann im Zusammenhang mit Integration spielen?

Keller-Messahli: Keine, so wie sie derzeit verfasst sind. Es braucht einen Neustart in dem Sinne, dass man den Fokus der Integration auf die große Mehrheit der Muslime legt, die perfekt integriert, absolut laizistisch sind, und wenn überhaupt in Glaubensfragen aktiv oder tätig, dann sicher nicht politisch, und die nicht in Moscheeverbänden organisiert sind. Diese liberalen Kräfte sind viel repräsentativer für die muslimische Bevölkerung, sie müssen politisch einbezogen werden, denn die Verbände verfolgen rein politische Ziele. Seit 20 Jahren sagen sie uns, sie würden für die Integration arbeiten, aber größtenteils tun sie das Gegenteil.

Oft heißt es dann, warum meldet sich diese von Ihnen angesprochene laizistische muslimische Mehrheit nicht zu Wort?

Sie fühlen sich nicht angesprochen durch das, was die Moscheen heute so bieten. Sie haben das Gefühl: „Das geht mich nichts an. Ich bin zwar auch Muslim, aber ich mache das ganz anders.“ Wir haben solche Menschen in unserem Forum für einen fortschrittlichen Islam in der Schweiz, die beten, die fasten, die Frauen würden nie ein Kopftuch tragen – die identifizieren sich nicht mit dem, was in den Moscheen passiert, mit der Geschlechtersegregation, dem Abschirmen der Frauen, den Fatwa-Räten, den Predigern, die einen Islam aus dem siebten Jahrhundert predigen und sich starkmachen für die freiheitsfeindliche Scharia. Sie können mit all dem nichts anfangen, weil es da keine Brücke gibt zu ihrem Leben hier und jetzt in der Schweiz.«

 

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