Europa

Ostdeutsche, Osteuropäer und die Besserwessis

(Boris Kálnoky, Deutsche Welle)

Mein Europa

»Wer in Sachsen derzeit (west)deutsche Medienberichte über seine Heimat sieht, hört oder liest, der dürfte sich so fühlen wie wir in Ungarn, wenn deutsche Medien über unser Land schreiben: Man lernt darin mehr über die geistige Befindlichkeit der Verfasser, als über das Land. ›Ostdeutsche‹ ist zu einem ähnlich verächtlichen Begriff geworden wie ›Osteuropäer‹. Die im Osten, so ist in oder zumindest zwischen den Zeilen zu lesen, sind anders. Und anders, das ist schlecht, denn man muss so sein wie Wessis.

Die im Osten sind geistig-moralisch zurückgeblieben, dumm oder böse oder beides. Obrigkeitshörig, demokratiefremd, rassistisch, ausländerfeindlich. ›Ostdeutsche‹ und ›Osteuropäer‹ müssen noch viel lernen bis sie so erleuchtet sind wie die Verfasser der jeweiligen Artikel. Und wahrscheinlich sind sie deswegen so ›hasserfüllt‹ (also böse), weil sie ihre ›Vergangenheitsbewältigung‹ vernachlässigt haben und geistig irgendwie, irgendwo noch in der kommunistischen oder gar faschistischen Diktatur zuhause sind. Das netteste, was man über sie sagt und schreibt ist, dass sie ›Ängste‹ haben, die man ›ernst nehmen› müsse. Aber letztlich haben sie nur deswegen Angst, weil sie zu dumm sind, um zu erkennen, dass es in Wahrheit gar kein Problem gibt außer vielleicht ihre eigenen rassistischen Reflexe. Ein bisschen Umerziehung durch ›Dialog› müsste da doch helfen.

Es ist kein neues Narrativ, das Ossi-Bashing. Neu ist eine ähnliche Debatte bei uns in Ungarn: Warum sind die Westler eigentlich so ideologisch verblendet, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen können? Sind sie Opfer einer umfassenden Gehirnwäsche, oder warum schreiben sie so einförmig so realitätsferne Dinge? Kurzum – dass wir im Osten anders ticken als die im Westen, das ist inzwischen auch bei uns ein Thema. Aber sind es wir, die EU-Ossis, die daneben liegen, oder sind es die Wessis? Wie anders sind wir und warum?«

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