Wirtschaft

Österreich verschuldet sich fast gratis für 100 Jahre – aber die Politik darf sich davon nicht verführen lassen

Matthias Benz, NZZ

›Eigentlich unglaublich‹ – so nannte es der Chef jener Behörde, die für die Schuldenaufnahme der Republik Österreich zuständig ist. Wien hat über eine hundertjährige Anleihe neue Schulden aufgenommen, und die Anleger waren bereit, dem Staat das Geld für diesen ausserordentlich langen Zeitraum für einen Zins von lediglich 1,2 Prozent zu leihen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Investoren werden ihr Geld erst im Jahr 2117 zurückerhalten (es wurde eine ursprünglich 2017 aufgelegte Anleihe ›aufgestockt‹). Trotzdem akzeptieren sie einen Zins, der noch vor einigen Jahren als lächerlich gering gegolten hätte. 

Investieren für fast nichts

So günstig hat sich die Republik Österreich noch nie verschulden können. Darum könnte jetzt eine Debatte aufflammen, die in Deutschland oder in den USA schon länger geführt wird. Müsste der Staat nicht die Gelegenheit beim Schopf packen und sich kräftig verschulden, um in Infrastruktur, Bildung oder Klimaschutz zu investieren? Es koste ja fast nichts, meinen Befürworter. Zudem sollten die Schulden gut tragbar sein: Aus ökonomischer Sicht ist das möglich, weil die Zinsen deutlich unter dem zu erwartenden Wirtschaftswachstum liegen.

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