Österreich Wirtschaft

»Österreich macht bei der Digitalsteuer Harakiri«

Matthias Auer, Die Presse premium

Österreich drückt beim Thema EU-Digitalsteuer für Tech-Konzerne aufs Tempo. Erweisen wir Europa und seinen Firmen damit einen guten Dienst?

Deborah Schanz: Ich bin ganz stark davon überzeugt, dass das eine extrem schlechte Lösung ist. Die Digitalsteuer wird sehr schädlich für uns sein.

Warum sind Sie da so sicher?

Diese »Digital Service Tax« ist extrem breit gestrickt. Da sollen Unternehmen besteuert werden, die mehr als 50 Millionen Euro digitalen Umsatz in der EU machen. Das sind einerseits die, an die man sofort denkt: Google und Amazon. Da aber schon das Sammeln und Verwerten von Daten besteuert werden soll, kämen auch viele andere Geschäftsmodelle in die Ziehung. Da trifft die Digitalsteuer plötzlich die ganze europäische Industrie.

Zum Beispiel? 

Nehmen wir zur Illustration einen Hersteller von Schultaschen, ein zutiefst analoges Produkt, könnte man meinen. Heute aber sind viele Schultaschen mit Sensoren ausgestattet, die den Eltern die Möglichkeit geben, zu überwachen, ob das Kind sicher in der Klasse angekommen ist. Kommt die Digitalsteuer, könnte die Finanzverwaltung den Hersteller plötzlich fragen, wie viel die Kunden denn dafür zahlen, dass er Sensoren verbaut und Daten übermittelt. Das können aber die wenigsten Unternehmen auf Knopfdruck sagen. Sie müssten es also aufwendig von Beratern schätzen lassen. Dasselbe trifft auf jede Maschine und jedes Auto zu, das in der EU erzeugt wird. Auch sie produzieren Tausende von Daten – und die Firmen wissen meist nicht, wie viel sie daran genau verdienen.

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