International Migration

Die Explosion von Afrikas Bevölkerung stoppen

(Necla Kelek, NZZ)

Zweckdienliche Kinder

»4,8 Kinder bekommt eine Frau südlich der Sahara im Schnitt. Ein Mitspracherecht bei der Zahl hat sie kaum. Erst wenn Afrikas Frauen sich von patriarchalischen, ökonomischen und religiösen Zwängen befreien, wird die Geburtenrate zurückgehen.

Jedes Jahr werden 89 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern ungewollt schwanger, 48 Millionen Mal wird abgetrieben. Da, wo sie leben, gibt es entweder keine Familienplanung und keine Verhütungsmittel, oder es herrscht Gebärzwang. Die Menschheit hat sich seit 1900 versiebenfacht, etwa 7,5 Milliarden Menschen bevölkern heute die Erde. Das Wachstum ist ungleichzeitig: Während in den reichen Ländern heute inzwischen knapp doppelt so viele Menschen wie 1950 leben, sind es in den armen Gegenden der Welt fünfmal so viele.

Die Bevölkerung Europas wuchs von 1950 bis 2015 um 35 Prozent, jene von Asien um 300 und jene von Afrika um 512 Prozent. Arme Gesellschaften wachsen rasend schnell, reiche dagegen kaum noch.

Die einen halten dieses Wachstum für die kommende Apokalypse oder für eine Gefahr für das Weltklima, andere sehen darin einen Mythos – es gehe nicht um zu viele Kinder, sondern nur um eine gerechte Verteilung der Ressourcen. Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die behaupten, Bildung und Wohlstand würden automatisch – oder durch die Etablierung eines Sozialstaats wie in Europa – zu weniger Kindern führen. ›Wir wissen: Mädchen, die länger zur Schule gehen, bekommen später und weniger Kinder – und diese Kinder haben die Chance auf ein besseres Leben‹, beschreibt der deutsche Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) diesen Ansatz, der wohl der europäischen Geschichte, aber nicht den aktuellen globalen Realitäten entspricht.«

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