Deutschland

Juden in der AfD

(Michael Wolffsohn, NZZ)

Verständlich, doch verwerflich

»Vorsicht, heisse Eisen: AfD, Juden, ›Juden in der AfD‹ (JAfD). Die Gründungsversammlung der JAfD findet am 7. Oktober in Offenbach statt. Der Landkreis hat mit rund 35 Prozent den höchsten Ausländeranteil Deutschlands. Viele sind Muslime. Aus ihren Reihen werden dort Juden häufig beschimpft, bedroht und attackiert. Dazu zwei exemplarische Fälle.

Max Moses Bonifer, in Offenbach aufgewachsen, war 2014 Stadtschulsprecher. Bis ihm Mord angedroht wurde. Der Grund? Sein Judentum. Erst vor wenigen Tagen wurde Stadt-Rabbiner Mendel Gurewitz zum wiederholten Mal von einer Gruppe nordafrikanischer Jugendlicher antisemitisch beleidigt. Die Fälle häufen sich, nicht nur in Offenbach. Das ist die eine Seite. Die andere: Juden in einer rechten deutschen Partei. Wie das?

Am Anfang dominierten Rechtskonservativ-Nationale wie Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel die AfD. Es folgte die stets zwar nationalistisch, doch zugleich vehement projüdisch und proisraelisch argumentierende Frauke Petry. Sie wurde 2017 vornehmlich vom Gauland-Flügel entmachtet. Gaulands persönliche Entwicklung ist ebenso aufschlussreich wie bedenklich. Als CDU-Mann wirkte er lange Jahre im doppelten Sinne verantwortungsvoll. Zum Beispiel als Chef der Hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann, einem ausgewiesenen Freund der Juden und Israels. Inzwischen nennt derselbe Alexander Gauland die NS-Periode deutscher Geschichte einen ›Vogelschiss‹. Wieso stossen trotz solchen Unsäglichkeiten, bei weitem nicht nur von Gauland, ausgerechnet Juden zur AfD?«

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