Feuilleton

Hybris

Der Mensch, das grössenwahnsinnige Tier

(Pascal Bruckner, NZZ) »Der Klimawandel ist eine Tatsache. Aber muss man daraus nun auch noch eine Glaubenssache machen? Muss man in ihm die letzte Ursache aller Probleme auf unserem Planeten sehen, von den Naturkatastrophen bis zum Terrorismus? Vor der Versammlung der G-20 im Juli brachte Präsident Macron den Jihadismus mit der Erderwärmung in Verbindung – als ob ein Temperaturanstieg von ein paar Grad Menschen zu Kriminellen machen könnte. Wäre Hitler demnach das Resultat der glühend heissen Sommer, die Deutschland in den dreissiger Jahren erlebte? Stalin das Ergebnis der Schneestürme, die zur gleichen Zeit Russland heimsuchten und Pol Pot die Frucht der ausserordentlichen Monsune im Kambodscha der siebziger Jahre?

Glaubt man «amerikanischen Wissenschaftern», die jüngst in der «Libération» zitiert wurden, dann bestünde eine direkte Verbindung zwischen der Trockenheit in Syrien und der Entstehung des IS. Wassermangel kann also zu Massenmord im Namen Gottes führen – ernsthaft? Angesichts der Orkane, die Houston, die karibischen Inseln und Florida mit unerhörter Zerstörungskraft trafen, zu Dutzenden von Toten führten und Dörfer und Städte vernichteten, ist die Versuchung gross, die Hand Gottes am Werk zu sehen. Oder wenigstens die Hand der Gaia, unserer Erde, die sich für die Verletzungen rächt, welche die Menschen ihr zugefügt haben. Das ist nichts anderes als magisches Denken, auch in unseren gelehrten Köpfen.«

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