Feuilleton

Gegen Wahlen

Gegen Wahlen – Warum Abstimmen nicht demokratisch ist

(addendum) »Unserem Zeitalter wird Demokratiemüdigkeit attestiert. Ganz Österreich, ja ganz Europa beobachtet gefühlte 365 Tage im Jahr den Wahlkampf der Parteien. Relativ kurze Legislaturperioden fördern und fordern diesen ständigen Kampfmodus, sie produzieren kurzfristige Entscheidungen und bringen Politiker dazu, durch sich ständig selbst überbietende Forderungen um das Stimmvolk zu buhlen, das in einer repräsentativen Demokratie an der Wahlurne das Sagen hat. Doch da endet die Mitbestimmung auch schon wieder, meint der belgische Autor David Van Reybrouck, wenn er in seinem Buch „Gegen Wahlen – Warum Abstimmen nicht demokratisch ist“ direkt auf Jean-Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag aus dem Jahr 1762 Bezug nimmt:

 „Das englische Volk meint frei zu sein; es täuscht sich sehr; nur während der Wahlen der Parlamentsmitglieder ist es frei; sobald sie gewählt sind, ist es Sklave, ist es nichts.“

Sind also Wahlen das einzig richtige Instrument, Demokratie umzusetzen? Nein. Das sieht man, wenn man, wie es Van Reybrouck in seinem Buch tut, einen Blick ins antike Athen wirft. Dort wurde das Losverfahren zur Besetzung der wichtigsten Verwaltungsorgane, wie auch des Rates der 500, eingesetzt. Er zitiert Aristoteles, der davon überzeugt war, dass nur das Losverfahren wirklich demokratisch sei. Auch Montesquieu bezieht sich in seinem Epoche machenden Werk „Vom Geist der Gesetze“ auf Aristoteles, wenn er schreibt:

„Wahl durch Los entspricht der Natur der Demokratie, Wahl durch Abstimmung der Natur der Aristokratie.“«

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