International Wissenschaft

Fukushima

(Frank Wunderlich-Pfeiffer, Golem)

Die Technik tat genau, was sie sollte

»Am 11. März 2011 löste ein Tsunami im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi eine Kernschmelze aus – und die Technik reagierte wie geplant. Nur waren die Pläne nicht besonders gut, obwohl es Gesetzgeber und Behörden hätten besser wissen müssen.

Kein Tsunami sollte dazu führen, dass es in einem modernen Kernkraftwerk zu einer Kernschmelze kommt. Und keine Kernschmelze sollte in einem modernen Kernkraftwerk dazu führen, dass ganze Landstriche stark radioaktiv belastet werden. Dennoch ist beides im japanischen Fukushima passiert: Im Jahr 2011 traf einer der größten Tsunamis der vergangenen Jahrhunderte auf Jahrzehnte alte US-Sicherheitsstandards. Die Sicherheitstechnik funktionierte wie vorgesehen – auf dem Niveau der 1960er Jahre, dem Tiefpunkt der Gesetzgebung in der Kerntechnik.

Anders als in Ländern wie Schweden, Deutschland und Frankreich war die Sicherheit japanischer Kernkraftwerke über Jahrzehnte vernachlässigt und in den 40 Jahren nach der Fertigstellung kaum verbessert worden. Schon lange vorher waren die Konsequenzen einer Überschwemmung von Kernkraftwerken der Bauart der Anlage in Fukushima Daiichi im Detail vorhergesagt worden: Alle in diesem Artikel verlinkten Dokumente stammen aus öffentlich und kostenfrei einsehbaren Berichten, die bereits vor dem Jahr des Unfalls veröffentlicht wurden – natürlich abgesehen von den Unfallberichten selbst.

Als am 11. März 2011 erst ein schweres Seebeben der Stärke 9 die Region erschütterte und dann der davon ausgelöste Tsunami das Kraftwerk traf, standen die ersten Blöcke kurz vor der geplanten Abschaltung. Die 14 Meter hohe Welle überschwemmte das Kraftwerk, das nicht ausreichend durch Tsunami-Mauern geschützt nah an der Küste steht. In der Folge fiel der Strom aus und mit ihm die Kühlung der drei Reaktoren, die zu dem Zeitpunkt in Betrieb waren. Der Ausfall der Kühlung führte schließlich zur Kernschmelze. Der Unfall wurde auf der siebenstufigen Ines-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) mit der höchsten Stufe 7 bewertet. Rund 100.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, das Gebiet um das Kraftwerk ist bis heute strahlenbelastete Sperrzone.«

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