International Wirtschaft

Freiwillig helfen?

Mal kurz die Welt retten

»Jedes Jahr entscheiden sich mehr als eine Million der 20 bis 25 Jahre jungen Menschen für „Voluntourism“. Die Kombination aus Tourismus und Freiwilligenarbeit wird seit Jahrzehnten immer beliebter. Besonders gefragt sind ferne Länder, die sowohl wunderschöne Urlaubsziele als auch Möglichkeiten bieten, „aktiv vor Ort einen sozialen Beitrag zu leisten“. Mit solchen Worten versprechen unzählige Anbieter, „sinnvolle Ferien“ zu organisieren – mit Entwicklungsprojekten sowie zusätzlichen Ausflügen und Abendveranstaltungen. So kann sich die Freiwillige doppelt gut fühlen. Und ein rundum positives Erlebnis zu schaffen ist oberste Priorität der Anbieter. Schließlich zahlen ihre Kunden bis zu mehrere tausend Euro in der Woche zuzüglich Flugkosten, um sich zum Beispiel an einem Hausbau in Kapstadt zu beteiligen. „Voluntourism“ ist eine Industrie, deren Wert auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird. Viele Hobby-Helfer sind vermutlich von jugendlichem Idealismus getrieben, aber auch Rentner und ganze Familien wollen ihr soziales Engagement unter Beweis stellen, zumindest am anderen Ende der Welt.

Für die meisten dieser Projekte sind keine fachlichen Vorkenntnisse nötig. Doch wie sinnvoll ist es, wenn ein Laie irgendwo ein Haus baut? Könnte ein einheimischer Bauarbeiter diese Arbeit nicht besser machen und durch die Bezahlung auch noch seine Familie ernähren? Und was bringt es, nur zwei Wochen lang im Schulunterricht auszuhelfen? Auf der Website des „Voluntourism“-Anbieters „Projects Abroad“ heißt es zum Beispiel: „Aufgrund des Lehrermangels… unterrichtest du in der Regel selbständig nach einem Lehrplan oder gemeinsam mit anderen Freiwilligen.“ Und: „Pädagogische Vorkenntnisse benötigst du nicht.“«

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