Deutschland

FDJ-Vergangenheit

Wieviel DDR steckt noch in diesen Politikerinnen?

(Marko Martin, WELT) »Der Gitarrensound suggerierte Coolness, doch war der Text ganz eindeutig made in GDR: „Du kannst nicht bei uns und ihnen genießen/ Denn wenn du im Kreis gehst, dann bleibst du zurück“, hieß es paternalistisch in der seinerzeit berühmten FDJ-Hymne „Sag mir, wo du stehst“.

Am vergangenen Wochenende erfuhr man jedoch, dass sich selbst in der restriktiven DDR sehr wohl „bei uns und ihnen genießen“ ließ: Sie sei FDJ-Funktionärin gewesen und gleichzeitig Mitglied der Jungen Gemeinde, gab die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt selbstbewusst zu Protokoll und ließ noch die Neckigkeit folgen, zumindest den sperrigen Titel „Funktionärin für Agitation und Propaganda“ habe sie deshalb mit Angela Merkel gemeinsam.

Kurz zuvor hatte die Bundeskanzlerin, angesprochen auf ihren FDJ-Posten, ähnlich ironisch reagiert: Aber gewiss doch, außerdem sei sie Mitglied der „Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ gewesen. Soviel neudeutsche Gelassenheit fand auch prompt das Lob Gregor Gysis, der Merkels Vergangenheit als typisch ostdeutsch verteidigte.«

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1 Kommentar

  • Da im zeitgenössischen Publikum des politisch-medialen Illusionstheaters bereits der Typus des historisch unterbelichteten Konsumidioten vorherrscht, kann heutzutage problemlos eine Zugehörigkeit zum (mehrfach gesiebten und handverlesenen) Agit-Prop-Apparat der SED-Kaderreserve als irrelevante DDR-Episode à la Jugendweihe verkauft werden. In der Regel wird dies von den Theater-Regisseuren samt Journallie jedoch klugerweise mit Schweigen übergangen, da immer noch Randständige vorhanden sind, die geistig nicht im grenzdebilen Bereich angesiedelt sind und ihre historischen Kenntnisse nicht aus gefakten „Dokutainment“ -Spots der Kabelkanäle beziehen.

    Die Darstellerin Angela Dorothea Merkel wird, obgleich selbst kinderlos, im Illusionstheater seit Jahren erfolgreich im Stück „Wir Deutschen“ als resolute „Mutti der Nation“ besetzt. In dieser Rolle gibt sie die beherzte, pragmatische Matriarchin, die aus christlicher Gesinnung heraus Politik macht. Den Sachverhalt, dass ihr – in Kollegenkreisen als „der rote Kasner“ verschriene – Vater in den 50er Jahren als Pastor von Hamburg in die DDR zog, nutzt sie dabei geschickt, um beim wertkonservativen, aber leichtgläubigen Publikumsteil die (für sie sehr nützliche) Sinnestäuschung einer beherzten „Pastorentochter“ zu erzeugen.
    Frau Katrin Göring-Eckardt, real abgebrochene Theologie-Studentin ohne Abschluß, ist auf der Politbühne als „Theologin“ das fleischgewordene „christliche Gewissen“ der Grünen und dort zuständig für politfrömmelnde Pseudopredigten. Als unübertroffenes Highlight gilt in Illusionistenkreisen ihre Umdeutung der Masseneinwanderung als pseudo-sakrales „Pfingsterlebnis“ (https://www.youtube.com/watch?v=iTkvD4d152c).

    Das Agit-Prop-Handwerk hat also goldenen Boden – gelernt ist gelernt…

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