Deutschland Wirtschaft

Falscher Klima-Idealismus Deutschlands

(Ferdinand Knauß, WirtschaftsWoche)

Das deutsche Strebertum im ökologischen Gewand

»Ohne Kernkraft und Kohle will Deutschland der Welt ein klimapolitisches Vorbild sein. Ob diese Wiederauflage des deutschen Idealismus etwas bewirkt, ist ungewiss. Besser wäre es, den europäischen Hebel anzusetzen.

Fehlenden Veränderungswillen kann man den von Angela Merkel geführten Bundesregierungen nicht vorwerfen, zumindest nicht auf dem Feld der Klima- und Energiepolitik. Erst der schlagartig beschleunigte Atomausstieg, jetzt der forcierte Kohleausstieg. Historisch wohl einmalig, dass eine Regierung einen ökonomisch funktionierenden Wirtschaftszweig – den Abbau und die Verstromung von heimischer Braunkohle – per Gesetz dichtmacht. Das Motiv des Klimaschutzes übertrumpft alle anderen Argumente. Die Bundesregierung kann sich hierbei wohl auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stützen, wenn man Umfragen traut.

Der Rückhalt ist wohl auch davon abhängig, dass die Regierenden den Bürgern und der heimischen Wirtschaft versprechen, dass die Energiewende das Wohlstandsniveau nicht gefährden werde. ›Wie bekommen wir einen Klimaschutz hin, ohne dabei unseren Industriestandort zu gefährden?‹ Das sei eine zentrale Frage für die deutsche Politik, so die neue CDU-Vorsitzende und möglicherweise künftige Bundeskanzlerin Annegret Kramp-Karrenbauer im aktuellen WirtschaftsWoche-Interview. Bisher sind übrigens die deutschen CO2-Emissionen seit Merkels Regierungsantritt nur ganz leicht gesunken, obwohl der Anteil der Erneuerbaren inzwischen bei mehr als 40 Prozent liegt. 

Die Entkopplung von materiellem Wohlstand und fossiler oder Kernenergie ist also jedenfalls noch nicht gelungen. Der Atomausstieg wurde schließlich bislang mit Kohle kompensiert, außerdem wächst weiter das Verkehrsaufkommen. Mit dem Kohleausstieg wird sich das wohl tatsächlich ändern. Dann wird Deutschland die Probe aufs Exempel wagen: Radikaler Klimaschutz und dabei reich bleiben, geht das? Skepsis ist durchaus angebracht. Der größte Emissionsrückgang war nicht zufällig im Rezessionsjahr 2009 zu verzeichnen. Allein die Strukturwandelpläne der Kohle-Kommission werden die deutschen Steuerzahler wohl einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. 

Und wofür?«

Hier weiterlesen

 

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann unterstützen Sie bitte die SCHLAGLICHTER!

 Über diesen Beitrag auf Facebook diskutieren