Wirtschaft

Die Finanzwelt steht Kopf

Anja Ettel, Holger Zschäpitz, WELT

Deutsche Staatsanleihen gelten an den Finanzmärkten als sicher. Seit vergangenem Freitag ist allerdings etwas ganz anderes sicher. Nämlich dass Investoren mit nahezu sämtlichen Bundesanleihen Verluste machen. Zu Wochenschluss rutschte auch noch die Rendite der dreißigjährigen Papiere ins Minus, und zwar auf minus 0,06 Prozent.

Nach Berechnungen des Researchhauses Barkow Consulting weisen damit sage und schreibe 97 Prozent aller am Markt gehandelten Bundesanleihen eine negative Rendite auf. Sprich: Wer eines der Papiere heute kauft, und diese bis zur Endfälligkeit hält, macht damit sicher Verluste.

In den kürzeren Laufzeiten rentieren Bundesanleihen schon länger negativ. Zehnjährige haben inzwischen eine Verzinsung von -0,5 Prozent. Mit der Zäsur vom Freitag gibt es für Investoren keine Möglichkeit mehr, mit deutschen Schuldtiteln etwas zu verdienen.

Damit ist die Finanzwelt endgültig auf den Kopf gestellt. Das scheinbar unverrückbare Gesetz, wonach, wer sich Geld leiht, anderen einen Zins dafür zahlen muss, ist damit zumindest für Staaten und einige Unternehmen aufgehoben. Es ist, als seien die Finanzmärkte in eine gewaltige Falle aus Treibsand geraten, bei der sämtliche Renditen tiefer und tiefer gezogen werden.

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