Deutschland International

Deutschland und das Giftgas

(Christoph von Marschall, Der Tagesspiegel)

Die deutsche Debatte um den Syrien-Angriff ist beschämend

»Deutschland sollte vielleicht doch nicht so schnell eine führende politische Rolle in Europa übernehmen. Die EU ist der größte Wirtschaftsblock der Welt und Deutschland sein einflussreichstes Mitglied. Aber ein Großteil seiner Eliten ist offenbar auch nach 70 Jahren kontinuierlicher Wiedereinbindung in den Westen nicht reif, Führung zu übernehmen. Das fällt ganz besonders auf, wenn man gerade aus Paris zurückkehrt und eine Woche hochrangiger Gespräche mit der außenpolitischen Elite der französischen Republik über die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft hinter sich hat. Oder wenn man sich in Washington mit US-Außenpolitikern, die nicht zu den Anhängern Donald Trumps zählen, über Deutschlands künftige Rolle in der Welt unterhält.

In Paris denken die Eliten sehr verantwortungsbewusst darüber nach, wie man die liberale regelbasierte Ordnung, die ja auch eine Werteordnung ist, verteidigen kann. Und wie man strategisch mit den Regelbrechern von Russland bis China umgeht. Das gilt auch für die meisten Außenpolitik-Experten in den USA.

Im Vergleich wirken die deutschen Debatten um den vereinten Luftangriff Frankreichs, Großbritanniens und der USA auf Giftgas-Anlagen in Syrien beängstigend und beschämend. Ihnen fehlen der moralische Kompass und der strategische Weitblick. Sie sind offen antiamerikanisch, verdeckt antieuropäisch und antiwestlich sowie hysterisch in ihrer Beschwörung der Gefahr eines dritten Weltkriegs.«

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