Naher Osten Wirtschaft

Der junge Prinz

(Wolfgang Hirn, Manager Magazin)

Mohammed Bin Salman revolutioniert das Geschäftsmodell Saudi-Arabiens

»Ziyad Al Ashaikh war bis vor Kurzem noch ein Schwergewicht. Über 180 Kilo brachte der Chef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen in Saudi-Arabien auf die Waage. Jetzt sitzt er schlank und rank auf einem beigefarbenen Ledersofa im Konferenzzimmer der Bank in Riad, schlürft Tee und sagt stolz: „Durch Diät und Sport bin ich bei 86 Kilo.“ Eine harte Zeit sei das für ihn gewesen, doch: „No pain, no gain“.

Die Tortur, die Al Ashaikh hinter sich hat, steht seinem Land noch bevor: „Auch Saudi-Arabien muss eine Diät machen“, sagt er. Weg vom Öl, hin zu einer Wirtschaft, die auf mehreren Säulen steht. Weg von einem Staat, der seine Bürger aushält, hin zu einer leistungsbereiten, sozialen Gesellschaft. Weg vom fundamentalistischen, hin zu einem offeneren Islam. Weg von der Dominanz der Männer, hin zur Einbeziehung der Frauen. Weg von der Gerontokratie, hin zur Macht der Jungen.

Der Architekt dieses Umbaus zählt selbst noch zum Nachwuchs: Prinz Mohammed Bin Salman (eine Frau, vier Kinder) ist gerade mal 31 Jahre alt. MBS, wie der Adelsspross kurz genannt wird, ist der Sohn des gesundheitlich angeschlagenen Königs Salman (81). Seit Januar 2015 im Amt, vereint er eine beispiellose Machtfülle auf sich. Er führt das Verteidigungsministerium sowie den vom König geschaffenen Council of Economic and Development Affairs (CEDA), das heißt: Er kontrolliert das Ölmonopol sowie den nationalen Investmentfonds.

Der Kronprinz ist angetreten, sein Reich zu retten. Einerseits. Zugleich will er es stärker und einflussreicher machen, als es je war – politisch und vor allem ökonomisch.

Der Einbruch des Ölpreises hat das einst märchenhaft reiche Saudi-Arabien in eine existenzielle Krise gestürzt. 90 Prozent der Staatseinnahmen hängen an Öl und Gas, sie haben den aufgeblähten Staatsapparat finanziert sowie die vielen Wohltaten für das 33-Millionen-Volk.

Nun, da sich die Einnahmen halbiert haben, ist dieses Schlaraffenland nicht mehr bezahlbar. Der Haushalt wies 2016 ein Defizit von 78 Milliarden Dollar aus (2015: 98 Milliarden), die Währungsreserven – immer noch knapp 500 Milliarden Dollar – schwinden.«

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1 Kommentar

  • Nicht so tragisch mit den Finanzen der Saudis, der Rohölpreis hat sich mehr als verdoppelt!