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Migration

Der afrikanische Exodus: Ohrfeige für die Regenten

(David Signer, NZZ)

Drei Viertel wollen weg

»Die meisten afrikanischen Staatschefs kümmert es kaum, dass ein großer Teil ihrer jungen Bürger weg will. Aber die Überweisungen der Emigranten sind kein Ersatz für wirtschaftliche Entwicklung. Nebst der Ökonomie braucht es allerdings auch soziale und kulturelle Veränderungen.

Die Regierung in Senegal arbeitet gegenwärtig eine nationale Migrationspolitik aus. Das ist ein gutes Zeichen, was auch immer konkret dabei herauskommt. Es zeigt, dass die dortigen Politiker das Problem ernst nehmen und nicht so tun, als ginge es nur die Europäer etwas an. Es ist nämlich erstaunlich, wie wenig die Auswanderung ihrer Bevölkerung die meisten afrikanischen Staatschefs bekümmert. Häufig begnügen sie sich damit, die ›Abschottungspolitik‹ Europas anzuprangern. Ein frappantes Beispiel war der Gipfel der Afrikanischen Union Ende Juni in Nouakchott. Das Thema Migration stand auch dieses Mal nicht auf der Traktandenliste, während es fast zeitgleich beim EU-Gipfel in Brüssel alles andere dominierte.

Senegal ist ein stabiler, recht liberaler und demokratischer Staat; trotzdem verlassen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, weit mehr Menschen das Land als in fast allen Staaten Westafrikas. Laut einer kürzlich durchgeführten Untersuchung wollen drei Viertel der Bevölkerung zwischen 15 und 35 Jahren fort. Vermutlich ist der Anteil in den umliegenden (Krisen-)Ländern noch höher. Das ist eigentlich ein Faustschlag ins Gesicht der Regierenden; die Jungen scheinen keinerlei Vertrauen in den Fortschritt zu haben, den die Präsidenten seit Jahren versprechen. Sie sind so hoffnungslos, dass sie ihr Leben riskieren, um in ein vages ›Paradies‹ aufzubrechen. Alles ist besser als die Heimat, sagen sich die Desperados, die mit ihrer Verwandtschaft oft viel stärker verbunden sind als die meisten Europäer, die also nicht ohne weiteres ins Unbekannte losziehen.«

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