Deutschland Wissenschaft

»Das ist wie beim Hexenhammer im Mittelalter«

(Constantin Wissmann im Interview mit Dieter Köhler, Cicero)

Diesel Fahrverbote

»Weil sie laut Studien zahlreiche Krankheiten und Todesfälle auslösen, werden vielfach Fahrverbote für Diesel-Autos verhängt. Der Lungenspezialist Dieter Köhler hält das für Hysterie, ausgelöst von ideologisierten Wissenschaftlern.

Herr Köhler, Sie leben im eher dünn besiedelten Sauerland. Wäre es lebensgefährlich, in eine Stadt wie Berlin zu ziehen?

Nein, wieso?

In Berlin wird der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid in der Luft regelmäßig überschritten. Ein Verwaltungsgericht hat entschieden, dass deshalb Fahrverbote für Diesel-Autos zulässig sind. Doch das wirkt nicht von heute auf morgen. Haben Sie als Lungenfacharzt da keine Bedenken?

Nein, überhaupt nicht. Selbst wenn man bei einem Wert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid und 50 Mikrogramm/Kubikmeter Feinstaub ein Leben lang in Berlin lebt und dazu immer das Fenster geöffnet hat, hat das kaum Auswirkungen auf die Gesundheit. Von der Größenordnung müssen Sie sich das vorstellen wie ein Zuckerkörnchen in einem Bereich von einem Kubikmeter. In 75 Jahren würde man 10 bis 15 Gramm Feinstaub oder Stickstoff inhalieren. Ein Raucher, der am Tag eine Schachtel Zigaretten verraucht, erreicht diesen Wert nach wenigen Wochen. Dann müssten ja alle Raucher nach zwei Monaten tot umfallen. Das passiert aber erst nach 40 bis 60 Jahren, in diesem Zeitraum hat der Raucher dann eine millionenfach höhere Dosis Feinstaub eingeatmet.

Aber nur, weil es beim Rauchen noch schlimmer ist, macht es die Sache beim Feinstaub auf der Straße doch nicht besser.

Aber es zeigt, dass die Menge von Feinstaub oder Stickstoffdioxid in den Grenzwertdosen völlig vernachlässigbar ist und sicher keine gesundheitlichen Schäden verursacht.

Gerichte erlassen jedoch immer wieder Fahrverbote auf Basis dieser Werte. Warum tun sie das, wenn die Werte vernachlässigbar sind?

Die Gerichte müssen so handeln, denn sie wenden das Gesetz an. Das Problem ist, dass das Gesetz in diesem Fall auf falschen Tatsachen beruht, also den Grenzwerten aus der EU. Die Absurdität geht noch weiter. Denn der Effekt von diesen Fahrverboten ist gleich null in Sachen Stickstoff- und Feinstaubbelastung. Weil aber die Autos diese Gebiete weiträumig umfahren müssen, steigt sogar der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. Und das ist wirklich belastend für die Umwelt.

Und wieder einmal ist Brüssel Schuld?

Eigentlich eher die Wissenschaftler.

Zu denen auch Sie gehören.

Ja, ich habe mich über das Thema Deposition und Elimination von Aerosolen, das sind Stäube und Tröpfchen, in der Lunge habilitiert, habe 30 Jahre lang eine Lungenklinik geleitet und war Präsident der Gesellschaft für Pneumologie. Als Wissenschaftler kann ich die Studien, die hinter den EU-Grenzwerten stehen, also ganz gut einschätzen.

Und Sie zweifeln diese an?

Nicht grundsätzlich. Von der Methodik her sind die alle natürlich seriös.

Aber?

Die Schlussfolgerungen werden in absurder Weise übertrieben.

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