Islam Migration

Mansour: »Religionskritik ist kein Rassismus«

(Ahmad Mansour im Interview mit Liza Nimmervoll, Der Standard)

Die 70 Prozent vergessenen Muslime

Sie fordern eine mutige innerislamische Debatte. Welche Rolle spielt dabei Religionskritik in der Tradition der Aufklärung? Ist sie der neuralgische Punkt, an dem sich die schärfsten Konflikte entzünden?

Es entsteht keine Demokratie und keine Aufklärung, wenn keine Religionskritik ausgeübt wird. Religionskritik ist kein Rassismus. Religionskritik ist Teil der DNA Europas und seiner Entwicklung. Die Leute kommen zu uns, weil sie Sicherheit, Wohlstand und bessere Gesundheitssysteme suchen, Technik nutzen und die besten Handys haben wollen, vergessen aber, dass das alles Errungenschaften der Aufklärung sind. Die entstand, weil Menschen Kritik an Autoritäten und der Kirche geäußert haben. Und jetzt kommen die gleichen Leute, die eigentlich in der linken Szene Vorreiter der Religionskritik und der sexuellen Aufklärung waren, und ticken aus, wenn man einen Text nicht gendert, und wollen uns Burka und Kopftücher als Feminismus und Ausdruck von Freiheit verkaufen. Das ist Doppelmoral und ist nicht die Linke, die ich schätze. Diese Entwicklungen bringen Europa nicht weiter in der Aufklärung, sondern werfen es wahrscheinlich hunderte Jahre zurück, wenn es so weitergeht.

Welche Rolle können oder sollen die Moscheen und muslimischen Verbände im Integrationsprozess spielen? Es heißt ja auch oft, nach der Flucht seien Moscheen für viele auch Zufluchtsorte, die Vertrautheit bieten.

Mir ist kein anderer Kontinent, kein anderes Land bekannt, das seine Gegner so reichlich finanziert. Diese Gemeinschaften sind verantwortlich für die Entstehung von Parallelgesellschaften und Radikalisierung – und die sollen Neuankommenden integrieren? Da ist die Katastrophe vorprogrammiert. Die starken Moscheevereine sind jene, die von außen gesteuert und finanziert werden, aus der Türkei, Saudi-Arabien, Katar. Die predigen kein fortschrittliches Islamverständnis. Die sind kein Partner in der Integration. Sie sind Mittäter. In den meisten Moscheen gibt es ein konservatives Islamverständnis, das die Menschen nicht zu Demokraten und vor allem nicht mündig macht. Wir brauchen aber mündige Menschen, sie sind das Immunsystem gegen Radikalisierung. Man vergisst immer die 70 Prozent der Muslime, die unter uns leben und nicht von den Moscheen und islamischen Verbänden vertreten werden. Diese Menschen haben in der Islamdebatte keine Stimme mehr.«

Das ganze Interview hier lesen

 

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann unterstützen Sie bitte die SCHLAGLICHTER!

 Über diesen Beitrag auf Facebook diskutieren