Deutschland Naher Osten

Verräterische Sprache

Den Terror beim Namen nennen

(Felix Dachsel, ZEIT) »Sprache ist verräterisch. Wer beispielsweise einen Attentäter, der mit einem Küchenmesser auf Passanten einsticht, als „Widerstandskämpfer“ bezeichnen würde, der wäre umgehend als menschenverachtender Idiot entlarvt.

Sprache ist aber auch dann noch verräterisch, wenn sie eigentlich versucht, besonders neutral zu sein. Wer etwa das Wort „Zusammenstöße“ nutzt und damit nicht Autounfälle an einer heiklen Kreuzung beschreibt, sondern das, was gerade in Jerusalem passiert, der sagt auch etwas über sich. “ Zusammenstöße am Tempelberg“, das hört man oft in diesen Tagen, das melden Tagesschau und Deutschlandfunk. Zusammenstöße: Das klingt nach Autoscooter. Nach zwei schwer kontrollierbaren und ein bisschen irre gewordenen Parteien, die gleich viel oder wenig Schuld tragen an der Kollision. Wer dieses Wort benutzt, hält sich in sicherer Äquidistanz zu den Ereignissen, man bleibt damit den Konfliktparteien gleich nah und gleich fern.

Das ist nicht immer angemessen.

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