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Trump und die Juden

Photo: Lorie Shaull (edited), CC BY-SA 2.0

Eine ‚Jüdische Weltverschwörung’?

Die ‚Deutsche Presse Agentur‘, als dpa bekannt, mit Korrespondenten in über 100 Ländern und wichtigste Informationsquelle für Deutsche Medien, hatte vor ein paar Wochen mit einer eigenwilligen Interpretation endlich jenen Nebel verblasen, der sich nach dem überraschenden Wahlsieg Trumps über die Redaktionen der Print, TV und Online Medien breitmachte, und keine logische Erklärung mehr zuließ:

Die Juden waren’s!

In einer Reportage der beiden US-Korrespondenten Stefanie Järkel und Michael Donhauser erklärte sie den geschockten Beobachtern das Wahlergebnis, dass „Trump, von einflussreichen jüdischen Parteispendern auf den Thron gehoben“ als Gegenleistung eine „Totalumkehr in der Nah-Ostpolitik versprochen“ hatte.

Als Symbol der ‚Bösen Juden’ hinter Trump wurde der – laut dpa ‚rechtsextreme’ – Kasino-Besitzer Adelson vorgeführt, einer der reichsten Männer der USA, der allerdings bei näherer Recherche ganze 5 Millionen für den Wahlkampf gespendet hatte. Im Vergleich zu den über 30 Mill. von Soros und Sussman, den beiden milliardenschweren jüdischen Unterstützern von Hillary Clinton, ein Taschengeld.

Ob dpa bei einem Sieg von Clinton eine vergleichbar kritische Erklärung publiziert hätte, ist allerdings zu bezweifeln. Es passt doch so gut zu dem zeitlosen Klischee der linken und rechten Antisemiten, dass das Finanz-Judentum die politischen Strukturen vor allem in den USA je nach seinen Launen manipulieren könne.

Dazu eine andere Nachricht: Die beiden jüdischen Aktivisten Ezra Levin und Leah Greenberg – von den Korrespondenten der dpa offensichtlich als ‚Gute Juden’ noch nicht entdeckt – gründeten die Plattform ‚Resisting the Trump agenda’. Mehr als 5000 lokale Gruppen in den verschiedensten Bundestaaten haben sich der Initiative bereits angeschlossen und weitere 2000 warten auf eine Bestätigung ihrer Anmeldung.

Mal für, mal gegen Trump, man kann sich nicht einmal mehr auf sein eigenes Vorurteil verlassen. Selbst nach der Verhängung des Einreiseverbots aus sieben arabischen Staaten waren die großen, einflussreichen jüdischen Organisationen unter den ersten, die dagegen protestierten. Andere jüdische Gruppen wiederum lobten Trump, weil er eine Änderung der Israel-Politik der USA ankündigte.

Die etwa 5 Millionen Juden in den USA machen rund 2 Prozent der Bevölkerung aus. Traditionell unterstützen sie die Demokraten. Von den mehr als 100 Mill. USD, die im letzten Wahlkampf von Jüdischen Sponsoren gespendet wurden, gingen 95% an Clinton.

Trump erhielt jedoch mit 30% der jüdischen Wähler erstaunlich viele ihrer Stimmen und erreichte das zweitbeste Ergebnis eines republikanischen Kandidaten (nach Romney) in den letzten 30 Jahren. Im Vergleich dazu bekamen Bush im Jahr 2000 nur 19 und McCain 2008 21 Prozent der jüdischen Wähler. Zwei Jüdische Zeitungen, ‚The Jewish Press’ und ‚Long Island Jewish World’ unterstützten offiziell Trump, während sich fast alle anderen Medien auf die Seite Clintons stellten.

Wie groß ist der Einfluss?

Die Religiosität hatte einen starken Einfluss auf die politische Entscheidung. Je konservativer und orthodoxer desto eher tendierten sie zu Trump. Die liberalen oder nicht-religiösen Juden standen hinter Clinton.

Wird der Einfluss dieser 2-Prozent Minderheit über-oder unterschätzt? Ein paar Fakten dazu helfen vielleicht. Der entscheidende Unterschied zu anderen Religionsgruppen liegt im Bereich Bildung.

75 Prozent der Amerikanischen Juden haben einen Hochschulabschluss im Vergleich zu 40 Prozent der ‚restlichen’ USA. In einigen Elite-Universitäten wie Havard z.B. beträgt der Anteil der jüdischen Studenten mehr als 25 Prozent.

In der Gruppe der 55 bis 75jährigen, also jener, die derzeit in den Machtpositionen sitzen, beträgt der Anteil der Akademiker unter den Juden sogar 81 Prozent. Sind sie intelligenter, erfolgreicher, wohlhabender, rücksichtsloser? Nein, meistens sind sie einfach nur besser ausgebildet. Das ist die Grundlage ihres Erfolgs. Das beginnt bereits in den Familien, wo Bildung der wichtigste Teil der Erziehung ist.

Hier einer der tausenden Witze dazu:
Moishe: David, mein Sohn, heute ist deine große Prüfung bei unserem Rabbi. Der ist ein weiser Mann. Sei bescheiden, wenn du mit ihm sprichst und versuch nicht, ihn zu beeindrucken.
David: Gut, mach ich Tate.
Rabbi: David, ich freu mich, dass du heute zur Prüfung kommst. Was hast du gelernt? Was kann ich dich fragen?
David: Rabbi, ich habe den halben Talmud gelernt.
Rabbi: Halben Talmud! Sehr schön. Nun, aus welcher Hälfte soll ich dir Fragen stellen?
David: Aus welcher sie wollen, Rabbi.

Es reicht wohl nicht. 

Unabhängig vom letzten Präsidentschafts-Wahlkampf existiert seit langem zwischen Demokraten und jüdischen Organisationen eine enge Zusammenarbeit. Auch finanziell sind sie von ihnen abhängig. Trotz ihrer geringen Anzahl machen die Beiträge der jüdischen Unterstützer fast 2/3 der Spenden für die Demokraten aus.

Das sogenannte ‚Finanz-Judentum’, um bei dem Klischee zu bleiben, versuchte also nicht Trump sondern Clinton mit allen Mitteln auf den „Thron zu heben“. Erst seit der kritischen Haltung Präsident Obamas gegenüber Israel bilden sich mehr und mehr Jüdische Organisationen, die Republikaner unterstützen. Die neuen Web-Pages ‚Jews 4 Trump’ und ‚Jews Choose Trump’ sind Beispiele dieser Entwicklung.

Von den 100 Senatoren sind 9 Demokraten und ein Unabhängiger, unter den 435 Kongressabgeordneten 18 Demokraten und ein Republikaner jüdischer Abstammung.

Das ist zwar etwas höher als der Prozentsatz in der Bevölkerung, für die ‚Jüdische Weltverschwörung’ wird es wahrscheinlich doch nicht reichen.

 

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