Feuilleton

Selektive Meinungsfreiheit

Gilt Meinungsfreiheit jetzt nur noch für Ausgewählte?

(Felix Stephan, WELT) »Bei einer Fachtagung im Jahr 2011 hat der amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt einmal das Publikum gefragt, wo es sich seiner eigenen Einschätzung nach politisch befinde, bitte mit Handzeichen. Das Ergebnis der Stichprobe: Achtzig Prozent der Sozialpsychologen bei dieser Tagung identifizierten sich als „liberal oder links der Mitte“, zwei Prozent als „moderat“, ein Prozent als „libertär“, und wenn man die drei Hände, die sich für „konservativ oder rechts der Mitte“ meldeten, sachgerecht rundet, ergibt sich ein prozentualer Anteil von null.

Kurz darauf kam eine repräsentative Studie innerhalb der Sozialpsychologie zu einem ähnlichen Ergebnis: 90 Prozent der befragten Akademiker beschrieben sich als „links der Mitte“, nur 2,5 als „konservativ oder rechts der Mitte“, 94 Prozent gaben an, für Obama gestimmt zu haben, und 96 Prozent vertraten politische Positionen, die selbst in der demokratischen Partei eher als links gelten würden.

Es sei zwar allgemein bekannt, dass Akademiker eher nach links tendieren, schrieb Haidt daraufhin in einem Aufsatz mit dem leicht passiv-aggressiven Titel „Neue Studie deutet auf die Existenz von acht konservativen Sozialpsychologen hin“. Den wenigsten sei aber bewusst, wie radikal sich die Verhältnisse seit den Neunzigern verändert hätten.«

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