Feuilleton

Rechts wie links

Rechts ist so gut wie links

(Pascal Bruckner, NZZ) »Wir bleiben in der Mehrheit Zeitgenossen, die sich als progressiv verstehen, allerdings sind wir zurückhaltende Fortschrittsgläubige. Das grauenvolle 20. Jahrhundert, in dessen Verlauf die Technik in den Dienst von Vernichtungsplänen eingespannt wurde, Atombomben zwei ganze Städte ausradierten und mehrere Umweltkatastrophen stattfanden, hat uns misstrauisch gestimmt gegenüber dem Unbedingtheitsanspruch von Ideologien. Wir hoffen und sind dennoch skeptisch. Wir bleiben unserem Heimatland verbunden, sind aber zugleich zu weltoffenen Patrioten geworden, denen es davor graut, in die finsteren Mythologien von Blut und Boden zurückzufallen, die den Nationalismus auf immer verdächtig gemacht haben.

Die Geschichte der Linken buchstabiert eine Liste sukzessiver Ernüchterungen durch die Diskrepanz zwischen Realität und revolutionärem Ideal. Jene der Rechten besteht vor allem aus einer Folge von Erneuerungen durch Anleihen beim angestammten Feind – zum Beispiel in der Frage der sozialen Gerechtigkeit, die sich längst awuch die Rechten auf die Fahne geschrieben haben. Die grossen Utopien, die die Revolutionen verhiessen, sind heute vollends diskreditiert: Die hehre sozialistische Idee starb im Gulag, in Stalins Säuberungen und in der Implosion der UdSSR.«

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