Österreich

Raunz´ nicht, schreib!

Just do it.

Irgendwann begann es mir unangenehm zu werden, eine Talkshow der öffentlich-rechtlichen Sender anzusehen oder eine deutsche Qualitätszeitung aufzuschlagen. Selbst das Lesen meiner Lieblingsblogs wurde immer mühsamer.

Im Laufe der Monate verdichtete sich das diffuse Unbehagen zur Aversion. Es dauerte ein wenig, bis mir klar wurde wogegen. Es war die politische Debatte, vor allem jene in Deutschland, die mir im Vergleich zu Österreich immer offener, frischer und intellektueller erschienen war. Sie hatte sich verändert.

Zwei verfeindete Lager

Bösere Menschen als ich würden vielleicht sagen, die Niveaus der beiden Länder haben sich nach unten angeglichen. Die Gesinnung ersetzt das Argument und immer öfter auch die Fakten. Die Meinungseliten vollziehen einen nationalen Schulterschluss, die Talkshows mutieren zum Organ für Volkserziehung. Ein Schuft, wer sich der höheren Moral des neuen hellen Deutschlands nicht vorbehaltlos anschließen mag.

Auf der anderen Seite verlieren etliche, die ich einst hoch geschätzt habe, anscheinend ihren Kompass. So mancher, der früher die offene Gesellschaft gegen die Anmaßungen religiöser Fundamentalisten verteidigt hat, zeigt sich nun an der Seite von Ausländerhassern. Der eine oder andere vorgeblich Liberale äußert Verständnis für das völkische Geschwafel von Rassisten. Und ein angesehener Publizist, der er einmal war, erinnert inzwischen eher an einen Sektenführer. Die Ausnahmen auf beiden Seiten verstärken nur den generellen Eindruck.

Kurz: die öffentliche Debatte verliert ihre Mitte. Je weiter sich die veröffentlichte Meinung von der öffentlichen entfernt, desto tiefer graben sich die Teilnehmer in die Schützengräben ihrer Überzeugung ein. Der Diskurs dient nicht dem Erkenntnisgewinn sondern der Bestärkung der eigenen Ansichten und dem Heischen nach Applaus der Fangemeinde. Die Echokammern der sozialen Medien verstärken die Polarisierung.

Raunz´ nicht!

Nun kann man sich darüber ärgern. Oder selbst am Diskurs teilnehmen. Subjektiv, aber auf der Basis von Fakten. Mit Überzeugung, aber ohne Schaum vorm Mund.

Alles andere ergibt sich daraus. Die Gründung eines Vereins, weil man ein Projekt wie dieses ohnehin nicht gewinnbringend führen kann. Verschiedene Autoren, weil Selbstgespräche nicht besonders prickelnd sind. Die Vielfalt der Ansichten, weil der kleinste gemeinsame Nenner mehr für die eigenen Anliegen bewirkt als das Beharren auf der reinen Lehre. Die Reportagen und Alltagsgeschichten, weil vor der Ansicht die Einsicht kommt.

Wir freuen uns auf eine spannende Zeit mit Ihnen. Lesen Sie uns. Diskutieren Sie mit uns. Empfehlen Sie uns.

Wir können Ihnen nicht versprechen, dass wir Sie in Ihrer Meinung bestärken. Im Gegenteil. Wir würden uns freuen, wenn wir auch unsere eigenen Überzeugungen gelegentlich ins Wanken bringen würden. Aber wir versprechen Ihnen, Sie nicht zu langweilen.

Das ist doch schon was.

 

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