Feuilleton

Politisch unkorrekt

Das Unbequeme macht uns stark

(Matt Ridley, NZZ Schweiz) „In einem freien Staat sollten auch die Zungen frei sein“, schrieb Erasmus von Rotterdam vor 501 Jahren. England war in dieser Hinsicht oft toleranter als viele andere Länder, aber auch hier waren die Menschen nie völlig frei, ihre Meinung zu sagen. Für Blasphemie und Unruhestiftung wurde man über Jahrhunderte hin belangt. Als Ken Clarke im Jahr 1961 Oswald Mosley, den Gründer der British Union of Fascists, zu einem Referat vor der Cambridge Union einlud, gab es einen Proteststurm: Das Gesetz hat Aufstachelung zur Gewalt stets – und richtigerweise – verboten.

Aber dass John Bercow als Sprecher des britischen Unterhauses Präsident Trump einen Auftritt vor dem Parlament verweigern will, kann nicht mit dem Risiko eines Aufrufs zur Gewalt begründet werden. Ebenso wenig greift dieses Argument bei der mittlerweile fast zur Routine gewordenen Praxis, kontroversen Rednerinnen und Rednern Auftritte an Universitäten zu untersagen. In solchen Fällen geht es lediglich ums Anstossnehmen. Die radikale Feministin Julie Bindel etwa durfte nicht an der Sheffield University auftreten, weil sie gegenüber sexuellen Minderheiten angeblich nicht genug aufgeschlossen war.

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