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Mein Aldi

Photo: brandon king, CC BY-NC 2.0

 Wie ALDI meine Freiheit garantierte

Aldi verkaufte kürzlich im Sonderangebot Schweinefleisch für gerade mal 1,99 Euro, bei einem Gewicht von 600 Gramm. Facebook-User Dominik Boisen empörte sich, solche Preise seien „einfach nur KRANK“. Und begründete das auf Facebook so: „Billigster Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde – am meisten die, die sich am wenigsten wehren können: die Tiere.“

Ausbeutung bis zum Anschlag, billigster Dreck, wehrlose Tiere. Mehr Vokabeln braucht es nicht, um reflexhafte Empörung auszulösen. Der Streiter für tierische Gerechtigkeit fuhr denn auch jede Menge Likes und eine hohe Multiplikation durchs Teilen seiner Ansicht ein. Den erwachenden Shitstorm hat Aldi allerdings bewundernswert sachlich beantwortet, indem der Discounter auf seine hohen Standards und auf die kurzfristige Gewinnmargen-Reduktion verwies, die solche Angebote erst ermöglicht.

Mir selber fällt’s schwer, sachlich zu bleiben, weil die Vorwürfe einfach zu BLÖD sind – wie übrigens jegliche Anklage, die in einer Art Litanei vorgetragen wird oder liturgische Züge aufweist wie im vorliegenden Fall. Ganz gezielt spielt der Autor mit Reizwörtern, die zu den erwünschten Gefühlsständen führen, und überhöht sein politisches Glaubensbekenntnis mit einer die Gemeinde final klammernden Grußbotschaft an Aldi:

Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr vom Verzehr dieser Antibiotika-Schnitzel schlimmes Genitalherpes bekommt mit übelstem Juckreiz, hässlichen eitrigen Pusteln und beißendem Gestank.

Ich sag‘s mal anders: Wer solche Worte mit einem Like versieht, zustimmend kommentiert oder teilt, hat nicht alle an der Waffel bzw. seinen eigenen moralischen Kompass offenbar längst verloren. Und das sind bedenklich viele. Was mich fast noch mehr dabei stört, ist aber die bodenlose Arroganz gegenüber all jenen Geringverdienern oder einkommensschwachen Familien, die sich über solche und andere Discounter-Angebote von Herzen freuen, weil sie sich sonst kaum je Fleisch auf dem Grill leisten könnten.

Kommt hinzu eine sagenhafte Ignoranz gegenüber Aldi. Wer wie ich über lange Jahre darauf angewiesen war, von Aldi-Produkten zu leben, schätzt deren verlässliche Qualität. In meinen einkommensschwachen Berliner Dichterjahren habe ich mich dank Aldi jederzeit gut ernährt und mir die Freiheit leisten können, keine literaturfeindliche Erwerbstätigkeit ausüben zu müssen. Tja, Freunde, so sieht’s nämlich aus: Aldi und andere Discounter sind Garanten von Freiheit und Lebenswürde!

 

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