Pictures of America USA

Jared Kushner

Photo: Staff Sgt. Marianique Santos (edited),  Public Domain

Der loyale Vertraute

Der Schwiegersohn ist der einzige unter Trumps engsten Vertrauten und Beratern, dem gegenüber selbst die lautesten Kritiker eine gewisse Zurückhaltung zeigen. Nur wenige Bösartigkeiten oder Warnungen erscheinen über ihn, und der in Deutschland übliche ‚Faschismus-Vorwurf’ gegenüber Trump & Co ist als Beschreibung Kushners Persönlichkeit fast schon ein Tabu.

Der 35jährige Jared Corey Kushner, in New Jersey als ältester Sohn jüdisch-orthodoxer Eltern geboren und cum-laude-Absolvent der Elite-Uni Harvard ist reich, sieht gut aus, ist überdurchschnittlich intelligent, mit der wunderschönen Tochter Trumps Ivanka verheiratet und hat drei herzige Kinder.

So ganz nebenbei ist er auch noch wirtschaftlich erfolgreich. Schon als Student kaufte und verkaufte er mehr aus Langweile Immobilien in der Umgebung der Universität und schloss das Studium mit 20 Millionen Dollar Gewinn auf seinem Konto ab. Warum also arbeitet er jetzt mit Trump, wo doch seine Eltern seit ewigen Zeiten die Demokraten unterstützten und mit den Clintons eng befreundet waren?

Erst beim näheren Hinsehen fällt auf, dass Kushners Leben nicht die Bilderbuchkarriere eines verwöhnten Sohnes aus reichem Hause ist. 2004 wurde sein Vater, Charles Kushner, zu zwei Jahren Gefängnis wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Der erst 23jährige Sohn Jared übernahm in Eigenverantwortung das Immobilien-Imperium. Drei Jahre später kaufte er für 1,8 Milliarden USD die berühmte Adresse 666 Fifth Avenue, das damals teuerste Gebäude in Manhattan.

Mit 25 Jahren erwarb er den ‚New Yorker Observer’ für 10 Millionen, die er während seiner Studienzeit verdient hatte. Der langjährige Chefredakteur Peter Kaplan gab nach kurzer Zeit auf und beklagte sich öffentlich, dass man mit einem Anfänger als Herausgeber keine Zeitung machen könne.

Kushner ließ sich nicht beirren, reagierte nicht auf die Angriffe und baute das Blatt nach seinen Vorstellungen um. Er verstärkte das Online-Angebot und re-strukturierte den ganzen Medien-Konzern. 2011 machte das Unternehmen zum ersten Mal einen Gewinn, während die meisten Zeitungen bereits mit dramatischen Verlusten kämpften.

2013 lasen jeden Monat 1.3 Millionen die Online-Ausgabe. 2016 waren es bereits 6 Millionen. Im April 2016 erklärten die Herausgeber offiziell, dass sie die Kandidatur Trumps unterstützen würden.

Das Ghetto

Doch es gibt ein Ereignis im Leben der Familie Kushners, über das Jared Kushner selbst nicht gerne spricht. Der ruhige, meist schweigende junge Mann, der schon aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung als harmloser, netter Junge oft unterschätzt wird, ist mit Erlebnissen seiner Großeltern aufgewachsen, die so viele seiner Generation abgehärtet hat und oft eiskalt und rational reagieren lässt.

Seine Großmutter, Rae Kushner, wurde 1923 in Novogrudok im Norden von Polen geboren. Nach der Invasion durch die Deutschen errichteten diese das berüchtigte Ghetto von Novogrudosk, wo am Ende des Krieges von 30.000 Juden, die dort unter furchtbaren Bedingungen gefangen gehalten wurden, nur 350 überlebten.

1943 flüchteten Rea mit ihrem Vater und der jüngeren Schwester durch einen in monatelanger Arbeit mit bloßen Händen gegrabenen Tunnel aus dem Ghetto und wurden von dem legendären jüdischen Partisan Tuvia Bielski gerettet. Bis zum Ende des Krieges versteckten sie sich in den Wäldern in der Umgebung der Stadt. Die meisten Verwandten der Familie wurden ermordet. Rae Kushner starb 2004 in New Jersey.

Die Überlebenden

Über die zweite und dritte Generation der Holocaust-Überlebenden wurden Dutzende Bücher und wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlicht. Die Zufälligkeit des Überlebens, das Einteilen der Menschen in jene, die helfen oder nicht helfen, und damit das Problem, wem man trauen oder nicht trauen könne, prägte die Entwicklung der Kinder und Enkelkinder der Überlebenden.

Vertrauen oder Misstrauen, Verrat oder Schweigen waren für die Nachkommen der Holocaust-Opfer Botschaften und Warnungen, die über Tod oder Leben entscheiden konnten. Jeder Fehler, jeder Irrtum, jede Hoffnung konnte tödlich sein. Verlassen kann man sich auf niemanden, denn jeder kämpft nur für sich selbst. Was für die einen Geschichte in Filmen und Büchern ist, waren für sie Familiengeschichte und Erlebnisse der Großeltern.

Es ist daher kein Zufall, dass Kushner seinen Schwiegervater im Wahlkampf unterstützte, und nicht irgendeinen Kandidaten, dessen politische Meinung ihn faszinierte. Seine Frau, seine Kinder und seine Familie seien für ihn wichtig, sagte er in vielen Interviews. Alles andere sei ersetzbar. Selbst zu seinem Vater, der durch die illegalen Machenschaften die Familie an den Rand des Abgrunds führte, hat er die enge Beziehung nie aufgegeben.

Trump kennt die Familiengeschichte seines Schwiegersohns und versteht sie auch. Er weiß, dass er in dem aggressiven Zirkus seiner Machtspiele niemandem sonst trauen kann. Deshalb braucht er Kushner an seiner Seite, wie der Herrscher aus dem Mittelalter seinen Hofnarren, der damals auch von allen unterschätzt und belächelt den oft entscheidenden Einfluss auf den Machthaber hatte.

Hinter Kushners harmlosem Lächeln verbirgt sich das intellektuelle Genie, das Trump den Wahlsieg organisierte. Die Demokraten hatten ihn ebenso unterschätzt wie die Konkurrenten in der Immobilien-Branche und die Redakteure in seiner Zeitung.

Seine Loyalität zu Trump und damit auch sein Einfluss auf ihn ist jedoch die Konsequenz seiner Erziehung und Familiengeschichte.

 

Kommentar verfassen