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Gespräch mit einem Freigeist

Die Angst vor dem politischen Islam ist da, doch singt man laut im Walde

(Rüdiger Safranski, NZZ) »Dieselben Leute, die den Wohlfahrtsstaat hochhalten und die Versicherung gegen möglichst alle Lebensrisiken von ihm erwarten, höhlen ihn mit der Idee der Grenzenlosigkeit aus, denn der Wohlfahrtsstaat ist ein Umlageverein für eine begrenzte Zahl von Mitgliedern. Er ist kein Angebot für die Welt, er funktioniert nur in Grenzen. Überhaupt sind Demokratien letztlich nichts anderes als Vereine, die regeln, wer dazugehört und wer nicht, wer wählen darf und wer nicht, wer bleiben darf und wer nicht, wer Anspruch auf Gelder des Sozialstaats hat und wer nicht. Lauter Grenzziehungen. Das sind ja eigentlich Banalitäten, man schämt sich fast, es zu sagen.

Würden wir das Interview in Deutschland führen, müsste ich nun entgegenhalten: Das klingt schwer nach AfD . . .

. . . wonach das klingt, darauf kommt es nicht an. Es kommt ausschliesslich darauf an, ob etwas Richtiges an dem Gedanken ist. Man darf sich nicht einschüchtern lassen von Zuschreibungen, die das Denken verhindern sollen. Unterschwellig wissen wir doch alle, dass beispielsweise der Islam, wie er als politische Form existiert, eine echte Bedrohung für den liberalen Westen darstellt. Die Angst ist da, doch singt man laut im Walde, also in der Öffentlichkeit, um sich zu beschwichtigen.«

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