Funksprüche Mitten im Leben

Ein toleranter Fahrgast

Photo by Ben Fredericson (edited), CC-BY-NC 2.0

Geköpft wird niemand. Außer Ungläubigen.

Ich bin müde. So müde, dass ich letztens beim Klassenabend meiner Tochter einschlief. Als ich aufwachte, war ich Elternvereinsvertreter, und alle um mich herum applaudierten erleichtert.

Anscheinend habe ich, als in die Runde gefragt wurde, wer dieses Amt übernehmen will, im Schlaf unabsichtlich die Hand gehoben. Na leiwand, Wukkerl. Sollte es einmal die TV-Sendung „Österreich sucht den Super-Deppen“ geben, schlägt meine große Stunde.

Aber wer am liebsten in der Nacht fährt, muss halt den Preis dafür zahlen. Einer davon ist eine äußerst anhängliche Schlaflosigkeit. Und wie zu Fleiß kriegst, wenn dich diese drückt, die anstrengendsten Fuhren.

Laut und penetrant

Was ich hasse sind die Leute, die, kaum, dass sie Platz nehmen, ihre Telefon-Konferenzen starten. Zuerst schlüpft also eine nicht mehr ganz nüchterne Tante in den Wagen, das Handy griffbereit. „Triff die Marion nie wieda, heast, nie wieda, vastehst, du Oasch“? kreischt sie in ihr Mobiltelefon.

Vermutlich hat „der Oasch“ ein paar Einwände, denn die Gute wiederholt den Satz gefühlte 137mal, schraubt sich dabei konsequent um etliche Oktaven höher. Ich kenne keine Marion, aber als Madame Tinnitussi aussteigt schwöre ich ihr Stein auf Bein, Marion nie wieder zu treffen.

Eine Art Reflex, immerhin war ich 10 Jahre verheiratet. Wie es der Zufall will, steigt anschließend ein Ami zu, der ebenfalls die ganze Fahrt durchtelefoniert. Mit seinem Anwalt, entnehme ich dem Gespräch.

Englisch ist nicht so meine Kernkompetenz, aber ein paar Brocken verstehe ich. „Divorce“, z.B, leicht zu merken, bei uns Wienern heißt das ja „Des Woas“. Weil er beim Trinkgeld großzügig ist gebe ich ihm noch mein Man(n)tra „No Woman, No Cry“ mit auf den Weg.

In stillem Einverständnis nicken wir uns zu, dann verschwindet er, das Handy am Ohr. Kurz nach 2 Uhr Früh steht ein dicklicher Kerl auf der Straße, winkt.

Bärtchen und Strickhauberl

Ich sehe erst beim Einsteigen, dass er dieses typische Bärtchen sowie ein weißes Strick-Hauberl trägt. Nachdem es sich nicht um DJ Ötzi handeln kann, schwant mir Übles. Ein penetranter Islam-Werber, wie schön. Und tatsächlich kommt der Mann rasch zur Sache. Ob ich Moslem sei. Oida, es gibt genauso viele Ex-Jugos, die sich einen Scheiß für Religion interessieren wie Taufschein-Christen.

Er hakt nach. Ob ich den Koran gelesen hätte. Schweigen meinerseits.

„Macht nix, dass Du nicht bist Moslem“, meint er nun milde, „ich bin Moslem, ich bin tolerant“.
„Ach, wirklich?“
Er: „Ja. Außer, jemand ist anderer Meinung als ich.“
„Dann kann man dem schon einmal kurz den Kopf abschneiden“ rutscht mir heraus.
„Im Islam wird keinem der Kopf abgeschnitten“, empört sich mein Fahrgast: „Außer den Ungläubigen“.

Am Ziel angekommen dreh ich mich um: „Für diese Fahrt musst Du nix zahlen“. Erstaunter Blick. Ich: „Außer 23,90 Euro, bitteschön“.
„Was?“, stammelt er irritiert.

Seltsam, dass alle extremen Gesellen unter fehlendem Humor-Gen und Kapier-Stau leiden. Nach dem Kassieren stolpert DJ Blödzi in die Dunkelheit.

Ich bin müde. Und manchmal liegt das nicht nur an zu wenig Schlaf.

 

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